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Albert S. Kotowski

Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919-1939

Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 1998 (Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund 23); XII, 383 S.; brosch., 84,- DM; ISBN 3-447-03997-3
Habilitationsschrift Freiburg i. Br. - "Das Problem der polnischen Minderheitenpolitik gegenüber den Deutschen in Polen ist in beiden Historiographien besonders vernachlässigt worden." (7) Mit dieser Feststellung nähert sich Kotowski dem sensiblen Thema der Minderheitenpolitik in der deutsch-polnischen Vergangenheit. Ziel seiner Schrift ist die Darstellung und Analyse der polnischen Minderheitenpolitik in der Zwischenkriegszeit, um damit die Lücke in der bisherigen historischen Forschung zu schließen, und um grundsätzliche Fragen über die Rolle der deutschen Minderheit im polnischen Staat sowie der deutsch-polnischen Beziehungen zu beantworten. Kotowski beschreibt ein differenziertes Bild der polnischen Minderheitenpolitik zwischen 1919-1939: Im allgemeinen hatte sie einen repressiven Charakter und war vor allem auf die Unterdrückung einzelner nationaler Gruppen (Ukrainer und Weißrussen) ausgerichtet. Folglich wird sie von vielen Historikern und auch vom Autor als negativ bewertet. Anders gestaltete sich die polnische Minderheitenpolitik gegenüber den Deutschen. Sie war weniger streng und repressiv, denn die deutsche Minderheit in Polen genoß die Unterstützung aus Deutschland, "vor allem bei den Petitionen vor dem Völkerbund" (347). Es bestand also eine Interdependenz zwischen der Politik Polens gegenüber der deutschen Minderheit und dem aktuellen Stand der deutsch-polnischen Beziehungen. Einflußreiche Faktoren auf die polnische Politik waren die Interessen der polnischen Minderheit in Deutschland, die wirtschaftliche und kulturelle Stärke der deutschen Minderheit sowie die Revisionspolitik der Weimarer Republik und des Dritten Reichs. Obschon breite Schichten der deutschen Minderheit die Revisionspolitik begrüßten, verhielten sie sich zum größten Teil doch loyal gegenüber dem polnischen Staat. Erst durch die Gleichschaltung der deutschen Organisationen in Polen und durch die wachsende Gefahr einer Annexion verstärkten die polnischen Behörden ihre Repressionspolitik wieder. Inhaltsübersicht: 1. Das Erbe der Vergangenheit und die Gründung der Republik; 2. Die deutsche Minderheit in Polen bis 1933: Ein Überblick; 3. Die Anfänge der polnischen Minderheitenpolitik; 4. Von der planlosen zur planmäßigen Entdeutschung: (1926-1932); 5. Die Minderheitenpolitik Polens auf internationaler Ebene; 6. Minderheitenprobleme als bestimmender Faktor in den deutsch-polnischen Beziehungen (1919-1932); 7. Die polnische Minderheitenpolitik in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft (1933-1938); 8. Das Jahr 1939: Minderheitenfrage und Entfesselung des Zweiten Weltkrieges.
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.62 | 4.22 | 4.42 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Albert S. Kotowski: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919-1939 Wiesbaden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/7889-polens-politik-gegenueber-seiner-deutschen-minderheit-1919-1939_10463, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10463 Rezension drucken

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