Portal für Politikwissenschaft

John Maynard Keynes

Gerhard Willke

John Maynard Keynes. Eine Einführung

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2012 (Campus Studium); 167 S.; 2., akt. Aufl.; kart., 16,90 €; ISBN 978-3-593-39602-6
Diese Einführung in das Werk des großen britischen Ökonomen John Maynard Keynes verdeutlicht recht eindrücklich, wie sich das makroökonomische Klima in den vergangenen zehn Jahren gedreht hat. War die Beschäftigung mit Keynes bei der Erstauflage des Buches im Jahr 2002 ein Nischenthema für Wirtschaftshistoriker, Nostalgiker und Gewerkschaftsökonomen, so steht seine Theorie nun im Zeichen der andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise im Brennpunkt des allgemeinen Interesses. Die Themen seiner „General Theory“ – Unterbeschäftigung, Output-Lücken, Ungleichgewichte, ökonomische Depression – sind auf bedrückende Art unsere Probleme. Gerhard Willke führt in die zentralen Elemente dieser Theorie ein. Es gelingt ihm ganz hervorragend, die nötigen – und erfreulicherweise nur diese – formal-mathematischen Voraussetzungen zu vermitteln. So wird das Buch zugleich zu einer Einführung in die Methodik der Makroökonomie. In der Darstellung der wirtschaftspolitischen Konsequenzen der Theorie zeigt sich bereits ihre große Aktualität: „Die zwei Keynes'schen ‚Verbote': Die Löhne dürfen in der Depression nicht gesenkt werden; die Staatsausgaben dürfen in der Depression nicht prozyklisch reduziert werden. Die drei Keynes'schen ‚Gebote': Die Zinsen sollen niedrig gehalten werden; staatliche Ausgaben sollen die Gesamtnachfrage stützen; die Konsumneigung soll durch Einkommensumverteilung von unten nach oben erhöht werden.“ (104) Der „Keynes-Renaissance in der globalen Krise“ (135 ff.) ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier wird neben den Erfolgen keynesianischer Rezepte der Krisenbewältigung auch das Dilemma expansiver Haushaltspolitik beschrieben: wenn Staaten bereits überschuldet sind, können sie kein „deficit spending“ mehr betreiben und sehen sich vielmehr zur Konsolidierung in der Krise gezwungen. Vor diesem Hintergrund plädiert Willke dafür, die Instrumente staatlicher Nachfrageunterstützung nur kurzfristig einzusetzen, in der langen Frist aber auf solide Staatsfinanzen zu achten. Dem Buch ist im Anhang ein Glossar, eine Zeittafel und ein kurzer, kommentierter Literaturüberblick beigegeben.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.45 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Gerhard Willke: John Maynard Keynes. Frankfurt a. M./New York: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21758-john-maynard-keynes_42216, veröffentlicht am 19.07.2012. Buch-Nr.: 42216 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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