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Perspektiven auf die Türkei – Ökonomische und gesellschaftliche (Dis)Kontinuitäten im Kontext der Europäisierung

Ilker Ataç / Bülent Küçük / Ulaş Şener (Hrsg.)

Perspektiven auf die Türkei – Ökonomische und gesellschaftliche (Dis)Kontinuitäten im Kontext der Europäisierung

Münster: Westfälisches Dampfboot 2008; 363 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89691-744-7
Der Band ist dem komplexen und widersprüchlichen Wandlungsprozess der Türkei seit den 80er-Jahren gewidmet. Das Ziel der Herausgeber ist es, neuere kritische Beiträge und Ansätze aus der sozialwissenschaftlichen Diskussion in der Türkei und im angelsächsischen Raum einem deutschsprachigen Lesepublikum zugänglich zu machen. Die sich vollziehenden Veränderungen im Verhältnis von Staat und Markt sowie von Staat und Zivilgesellschaft werden aus poststrukturalistischem Blickwinkel im Kontext neoliberaler Globalisierung einerseits und Europäisierung andererseits betrachtet. „Ein zentraler roter Faden des Buches lautet“, so die Herausgeber, „dass die türkischen Akteure aktiv an der Produktion von Repräsentationen über West und Ost teilnehmen. [...] Die Konstruktion der türkischen Nation findet im Kontext eines vorgestellten Westens statt, anhand dessen die türkischen Eliten die Gesellschaft nach einem imaginierten Modell von oben nach unten konstruiert haben wollen.“ (15) Aus dieser Perspektive wird in mehreren Beiträgen die Bedeutung des Westens, beispielsweise im konservativ-islamistischen Diskurs türkischer Intellektueller oder im EU-Beitrittsdiskurs, untersucht. Trotz unaufgelöster Spannungen zwischen der Türkei und Europa, schreibt Meltem Ahıska, fungiere „‚der Westen’ als übergreifender Bezugspunkt in diesen Spannungen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene, insofern sie in einem ‚zivilisatorischen Diskurs’ artikuliert werden“ (24 f.). Neben verschiedenen Aspekten des polit-ökonomischen Strukturwandels geht es in weiteren Beiträgen um den türkischen Nationalismus, etwa um unterschiedliche Wahrnehmungen der kurdischen Frage im historischen Verlauf oder um die aktuelle Popularisierung des Kemalismus. Dass die aktivste und stärkste soziale Bewegung in der Türkei die Frauenbewegung ist, wird im letzten Kapitel über die Geschlechterfrage im Kontext von Staatsbürgerschaft, kemalistischem Nationalismus und türkischer Modernität aufgezeigt.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.63 | 2.23 | 2.22 | 2.27 | 4.22 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Ilker Ataç / Bülent Küçük / Ulaş Şener (Hrsg.): Perspektiven auf die Türkei – Ökonomische und gesellschaftliche (Dis)Kontinuitäten im Kontext der Europäisierung Münster: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30003-perspektiven-auf-die-tuerkei--oekonomische-und-gesellschaftliche-diskontinuitaeten-im-kontext-der-europaeisierung_35562, veröffentlicht am 20.01.2009. Buch-Nr.: 35562 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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