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"Weltwirtschaft ist unser Schicksal"

Johannes von Karczewski

"Weltwirtschaft ist unser Schicksal" Helmut Schmidt und die Schaffung der Weltwirtschaftsgipfel

Bonn: Dietz 2008 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 79); 467 S.; hardc., 42,- €; ISBN 978-3-8012-4186-5
Diss. phil. Bonn; Gutachter: U. Lappenküper, K. Hildebrand. – Der Kanzlerwechsel von Willy Brandt zu Helmut Schmidt im Jahr 1974 erfolgte in der Zeit der durch den Zusammenbruch des Währungssystems und die Ölkrise ausgelösten ersten Weltwirtschaftskrise seit 1945. Schmidt hatte sich bereits zuvor in seiner Funktion als Finanzminister mit den Folgen der weltwirtschaftlichen Verflechtungen befasst und sah die wesentliche politische Antwort auf die globalökonomischen Verwerfungen jener Zeit in der währungs- und wirtschaftspolitischen Koordination der wichtigsten Industrieländer. Ein Instrument dazu waren die von ihm in enger Zusammenarbeit mit seinem französischen Amtskollegen Giscard d’Estaing ins Leben gerufenen Weltwirtschaftsgipfel. Sie bilden den Hauptgegenstand dieser Studie. Auf einer breiten Literatur- und Quellenbasis, darunter die im „Archiv der sozialen Demokratie“ aufbewahrten persönlichen Unterlagen Schmidts, zeichnet der Autor die Ausgangslage, Entstehungsgeschichte und den Verlauf der ersten vier Weltwirtschaftsgipfel (Rambouillet 1975, Puerto Rico 1976, London 1977, Bonn 1978) nach. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit diese Gipfel tatsächlich „Horte neuer Formen ‚kollektiver Führerschaft’“ waren, „auf denen die Staats- und Regierungschefs in offener, vertraulicher Absprache und ohne das enge Zwangskorsett einer starren Tagesordnung beraten konnten“ (13). Neben den objektiven Handlungszwängen eines reinen Krisenmanagements arbeitet von Karczewski die persönliche Komponente, die spezifische Sichtweise Schmidts und dessen subjektive Entscheidungslagen, heraus. Zudem werden die Positionen der teilnehmenden Staaten sowie die Rolle des Europäischen Rates berücksichtigt. Die besondere Leistung dieser neuen Form der internationalen Zusammenarbeit habe darin bestanden, resümiert von Karczewski, „dass es gelang, national-egoistische Einzelreaktionen zu verhindern, wie sie Anfang der 1930er-Jahre in eine tief greifende Weltwirtschaftskrise geführt hatten“ (427). Zudem sei mit den Gipfeln ein wichtiges Moment in die internationale Politikgestaltung eingebracht worden.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.214.32.32.3134.43 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Johannes von Karczewski: "Weltwirtschaft ist unser Schicksal" Bonn: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30663-weltwirtschaft-ist-unser-schicksal_36417, veröffentlicht am 23.06.2009. Buch-Nr.: 36417 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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