Portal für Politikwissenschaft

Umweltverträglichkeit und Menschenzuträglichkeit

Hans Lenk

Umweltverträglichkeit und Menschenzuträglichkeit. Die neue Verantwortung für unsere Umwelt und Zukunft

Karlsruhe: Universitätsverlag Karlsruhe 2009 (Schriftenreihe des Zentrums für Technik- und Wirtschaftsethik an der Universität Karlsruhe [TH] 2); 219 S.; 35,50 €; ISBN 978-3-86644-297-9
Lenk ist einer der produktivsten und vielseitigsten deutschen Philosophen. Er fordert eine stärkere Einmischung der praktischen Philosophie in normative politische Diskussionen. „Der Mensch als technischer Beherrscher und Gestalter“ (7), der plötzlich Schöpfer im Sinnes eine „Nach- und Weiterschöpfers“ (7) spiele, müsse verantwortlich mit seinen neuen Möglichkeiten (etwa in der Gentechnik und anderen Wissensbereichen) umgehen. So habe der „Homo faber technologicus“ (11) eine besondere Verantwortung angesichts seiner Gestaltungs- und seiner Zerstörungsmacht – gegenüber der Natur, aber auch gegenüber den Mitmenschen. Lenk distanziert sich vom inflationär gebrauchten Begriff „Nachhaltigkeit“. An dessen Stelle setzt er Umweltverträglichkeit oder Ökoverträglichkeit und Humanverträglichkeit oder „Zuträglichkeit für die Menschen in ihrer Umwelt in einem ökonomisch vertretbaren und sozial angemessenen Rahmen“ (104) sowie „Zuträglichkeit für künftige Generationen“ (105) als Leitideen. Bei der philosophisch-politischen Diskussion über Menschenzuträglichkeit spielen für Lenk neben Menschenwürde, Freiheit, dem „Schutz menschlichen, aber auch kreatürlichen Lebens“ (165) auch die normative Begrenzung des technisch Machbaren und die „Verhinderung bzw. Minimierung unnötigen Leidens“ (165) eine wichtige Rolle. Es geht um Wertgrundlagen für die Umwelt- und Bioforschung, um intergenerationelle Verantwortung und um Zukunftstrends und konkrete Ausblicke. Und es geht um Partizipation. Lenks kluges Buch ist eine Absage an einen „technizistische[n] Machbarkeitswahn und die damit verbundene Naturauffassung“ (12) des Homo faber technologicus, der bestimmte Grenzen nicht überschreiten darf, „ohne entscheidende Schädigungen aller Systeme und auch der Menschen selber in Kauf nehmen zu müssen“ (12). Dem vagen Nachhaltigkeitsbegriff setzt Lenk mit Umweltverträglichkeit, Menschenzuträglichkeit und Zuträglichkeit für künftige Generationen differenziertere und pragmatischere Leitbegriffe entgegen, die auch Güterabwägungen zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialpolitik erlauben.
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 2.261 | 2.341 | 4.45 Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Hans Lenk: Umweltverträglichkeit und Menschenzuträglichkeit. Karlsruhe: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31145-umweltvertraeglichkeit-und-menschenzutraeglichkeit_37039, veröffentlicht am 19.08.2009. Buch-Nr.: 37039 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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