Portal für Politikwissenschaft

Die demokratische Revolution 1989 in der DDR

Eckart Conze / Katharina Gajdukowa / Sigrid Koch-Baumgarten (Hrsg.)

Die demokratische Revolution 1989 in der DDR

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2009; 251 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-412-20462-4
Die Herausgeber fassen einleitend die Ursachen der Ereignisse im Herbst 1989 prägnant zusammen: Grundlegend für den Systemzusammenbruch in der DDR sei erstens die Aufgabe der Breschnew-Doktrin durch Gorbatschow gewesen. Zweitens sei die wirtschaftliche Ineffizienz der Planwirtschaft langfristig kumuliert und habe zu einem Konsumgütermangel geführt. Die daraus entstandene wirtschaftliche Unzufriedenheit habe drittens die allgemeine Delegitimation des SED-Regimes verstärkt, „die systemisch auf Versuche der totalitären Politisierung der Gesellschaft und auf die Verweigerung von Bürgerrechten und Partizipationsmöglichkeiten zurückzuführen war“ (9). Die Unzufriedenheit zahlreicher DDR-Bürger habe sich viertens ab dem Frühsommer 1989 mit den Botschaftsbesetzungen und der Massenflucht sowie in einer Protestbewegung Bahn gebrochen. Und fünftens sei die SED-Machtelite „unfähig zur Krisenbewältigung und zum Machterhalt“ (10) gewesen. In der Charakterisierung schließen sich die Herausgeber der inzwischen in der Literatur überwiegend akzeptieren Einordnung des Umbruchs als Revolution mit der Begründung an, dass es ohne die Bürgerproteste nicht zu einer akuten Systemkrise gekommen wäre. Entsprechend steht in diesem interdisziplinär angelegten Sammelband der zivilgesellschaftliche Aufbruch im Mittelpunkt. Den Herausgebern geht es dabei vor allem darum, „Perspektiven der Wissenschaft, der Politik und von Zeitzeugen“ (21) zusammenzufügen. Die Beiträge sind drei Themengebieten zugeordnet. Im Kapitel „Menschenrechtssituation im Alltag der Diktatur“ schildert u. a. Bernd Lippmann den Freikauf politischer Häftlinge auch aus eigener Erfahrung. Im zweiten Kapitel über die friedliche Revolution überwiegen Beiträge von Autoren wie Wolfgang Templin und Joachim Gauck, die selbst zur Revolution beitrugen. Zum Abschluss wird nach der Historisierung der DDR gefragt. Ralf Wüstenberg wirft in seiner Analyse auch einen vergleichenden Blick auf den Umgang von Tätern und Opfern in Südafrika – und stellt fest, dass in Deutschland eine Wiederherstellung der Würde der Opfer bisher zu kurz gekommen ist.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Eckart Conze / Katharina Gajdukowa / Sigrid Koch-Baumgarten (Hrsg.): Die demokratische Revolution 1989 in der DDR Köln/Weimar/Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31151-die-demokratische-revolution-1989-in-der-ddr_37045, veröffentlicht am 17.02.2010. Buch-Nr.: 37045 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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