Portal für Politikwissenschaft

Kirche und Revolution

Hans-Joachim Veen / Peter März / Franz-Josef Schlichting (Hrsg.)

Kirche und Revolution. Das Christentum in Ostmitteleuropa vor und nach 1989. Redaktion: Peter Wurschi

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2009 (Europäische Diktaturen und ihre Überwindung 14); 241 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-412-20403-7
Welche Rolle spielten und spielen die Kirchen in den Revolutionen und Transformationsprozessen in Ostmittel- und Osteuropa? Hatten sich die Kirchen mit dem Sozialismus arrangiert oder waren sie zu Faktoren im kommunistischen Machtgefüge geworden? Fragen nach dem Verhältnis von Kirchen, Staat und Demokratie im östlichen Europa vor und nach den Regimewechseln waren Gegenstand der Erörterung während des 7. internationalen Symposiums der Stiftung Ettersberg, die gemeinsam mit den Landeszentralen für politische Bildung Bayerns und Thüringens in Weimar im Oktober 2008 ausgerichtet wurde. Schwerpunktmäßig beleuchtet werden die katholische Kirche Polens, die evangelische Kirche der DDR und die russisch-orthodoxe Kirche Russlands. Dabei werden sowohl Analogien in den Entwicklungen der Kirchen und nationale Spezifika herausgearbeitet als auch die Unterschiede, die sich aus dem jeweiligen politischen Selbstverständnis der Kirchen, den Machtkonstellationen und dem jeweiligen Staatskirchenverständnis ergeben haben. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Phase der demokratischen Konsolidierungen nach dem Regimewechsel 1989/90. Die evangelische Kirche in der DDR sei weder „Mutter der Revolution“ noch „Stütze des Systems“ (11) gewesen, wie von einigen behauptet, schreibt Richard Schröder. Anders als in Polen sei die Kirche viel zu schwach gewesen, um eine solche Rolle einzunehmen. Sie habe keine Massen mobilisieren können, habe aber der Freiheit des Wortes Raum gegeben. Außerdem habe sie als gesellschaftlicher Vermittler am Runden Tischen fungiert und so Verdienste am Zusammenbruch der SED-Herrschaft und im Transformationsprozess erworben. Während sich die Rolle der katholischen Kirche in der polnischen Gesellschaft seit der Wende verändert habe und ihre Autorität nicht mehr unumstritten als Grundlage der nationalen Identität und Moral der Polen gelte, wie Dirk Lenschen zeigt, habe die orthodoxe Kirche in Russland nach Auflösung der Sowjetunion große Bedeutung für die nationale Identität des Landes erlangt, so Thomas Bremer.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.2 | 2.61 | 2.314 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Hans-Joachim Veen / Peter März / Franz-Josef Schlichting (Hrsg.): Kirche und Revolution. Köln/Weimar/Wien: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31152-kirche-und-revolution_37046, veröffentlicht am 10.03.2010. Buch-Nr.: 37046 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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