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Die Opposition in der DDR und die deutsche Frage 1989/90

Andreas H. Apelt

Die Opposition in der DDR und die deutsche Frage 1989/90

Berlin: Ch. Links Verlag 2009 (Forschungen zur DDR-Gesellschaft); 344 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-86153-538-6
Geschichtswiss. Diss. Chemnitz; Gutachter: E. Jesse, B. Neuss, P. Brandt. – Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Rezeption der deutschen Frage durch die DDR-Opposition vor und im Verlauf der Revolution von 1989/90. Apelt fragt, inwieweit die deutsche Einheit auch ein Ziel der Opposition war beziehungsweise ob diese vielmehr an der Eigenstaatlichkeit der DDR und damit an einem neuen Sozialismusexperiment festhielt. In seinem Überblick zum Forschungsstand zeigt Apelt, dass es in der Historiografie eine „erhebliche Diskrepanz in der Einschätzung, was die DDR-Opposition eigentlich gewollt habe“ (20), gibt. Der Autor analysiert die maßgeblichen Gruppen der Wendezeit: Initiative Frieden und Menschenrechte, Neues Forum, Demokratischer Aufbruch, Sozialdemokratische Partei in der DDR, Demokratie jetzt, Vereinigte Linke, Grüne Partei. Der Untersuchungszeitraum endet mit dem 18. März 1990, dem Tag der ersten freien Volkskammerwahl. Als entscheidend für die Beantwortung seiner Forschungsfrage stellt der Autor den personellen Wandel in der Opposition heraus; so sei die Opposition der mittleren 80er-Jahre nicht mehr mit den Gruppierungen des Oktobers 1989 und diese wiederum schon nicht mehr mit jenen des Novembers 1989 oder gar Januars 1990 zu vergleichen. Im Herbst 1989 traten an die Stelle der Friedens- und Umweltbewegungen Neugründungen, „die die Politisierung vorantreiben“ (181). Apelt klassifiziert die Revolution als national-demokratische Revolution mit einer ersten Phase demokratischer Forderungen und einer zweiten nationaler Forderungen. Mit dem 9. November und dem bald folgenden 10-Punkte-Plan Helmut Kohls brach die zweite Phase an. Die „Bürgerbewegung der Straße [wurde] zur entscheidenden Kraft des national orientierten Widerstandes“ (189) – es ist der Wandel von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“. Die Opposition reagierte unterschiedlich auf den Druck der Demonstranten, doch im Fazit hält der Autor fest, dass sich bis zur Wahl schließlich alle relevanten Oppositionsgruppen „für die deutsche Einheit ausgesprochen“ (308) haben.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Andreas H. Apelt: Die Opposition in der DDR und die deutsche Frage 1989/90 Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31464-die-opposition-in-der-ddr-und-die-deutsche-frage-198990_37455, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 37455 Rezension drucken

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