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SEW – Die Westberliner Einheitssozialisten

Thomas Klein

SEW – Die Westberliner Einheitssozialisten. Eine "ostdeutsche" Partei als Stachel im Fleische der "Frontstadt"?

Berlin: Ch. Links Verlag 2009 (Forschungen zur DDR-Gesellschaft); 310 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-86153-559-1
Klein schildert die Geschichte eines politischen Misserfolgs, der in seiner Bedeutung kaum zur Fußnote in der deutsch-deutschen Geschichte reicht – die Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW), des SED-Ablegers im Westteil Berlins. Aufgrund des Viermächte-Status der Stadt fiel die Partei nicht unter das KPD-Verbot des Bundesverfassungsgerichts und sollte dem DDR-Regime als Brückenkopf in den Westen dienen. Dies geschah von Anfang an ohne nennenswerten Erfolg: Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 1958 erreichte sie 1,9 Prozent der Stimmen. Klein legt den Schwerpunkt der Darstellung auf die Zeit der APO und „die Entwicklung des linksalternativen Strömungsspektrums dieser Jahre“ (10). Die zentrale Frage ist, ob es der SEW gelang, an diese Entwicklung anzuknüpfen und sich als ernstzunehmender Bestandteil der Berliner Parteienlandschaft zu etablieren. Die Antwort lautet schlicht: nein. Unübersehbar war die von Rudi Dutschke formulierte Kritik an der DDR, von der die SEW nach Erkenntnis des Autors ohne Zweifel gelenkt wurde. Und spätestens nach dem Gutheißen der Niederschlagung des Prager Frühlings hatte sich die SEW ins politische Abseits manövriert. Klein fragt auch, ob es der SED gelang, über die SEW – und auch ohne sie – Einfluss auf die Neue Linke, die Friedensbewegung und die Gründung der Grünen zu gewinnen. In diesem Exkurs bezweifelt er hauptsächlich die Thesen von Hubertus Knabe, der von einem erkennbaren Einfluss ausgeht. Andere Arbeiten mit ähnlichen Ergebnissen wie etwa von Michael Ploetz/Hans-Peter Müller („Ferngelenkte Friedensbewegung“ [siehe ZPol-Nr. 25430]) oder Jürgen Maruhn/Manfred Wilke („Die verführte Friedensbewegung“ [siehe ZPol-Nr. 18717]) werden nicht berücksichtigt. Auf jeden Fall aber ließ sich die SED ihren westlichen Ableger etwas kosten: 12-15 Mio. DM im Jahr. Dieses Geld habe die wirtschaftliche Existenz der Kader und damit ihre Loyalität gesichert, so Klein. Der Niedergang der Partei war dann folgerichtig an den der DDR gebunden, 1990 mochte nicht einmal die PDS sie übernehmen, so schlecht war ihr Ansehen. Die SEW löste sich 1991 auf.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.313 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Thomas Klein: SEW – Die Westberliner Einheitssozialisten. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31465-sew--die-westberliner-einheitssozialisten_37456, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37456 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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