Portal für Politikwissenschaft

Wie Rassismus aus Wörtern spricht

Susan Arndt / Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.)

Wie Rassismus aus Wörtern spricht. Kerben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk

Münster: Unrast 2011; 780 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-89771-501-1
„Rassismus ist die Verknüpfung von Vorurteil mit institutioneller Macht“ (37), stellt der als kritisches Nachschlagewerk konzipierte Band schon zu Beginn heraus und damit auch klar, dass es sich eben nicht um ein überkommenes Konzept oder eine gesellschaftliche Randerscheinung handelt, sondern um ein tief eingeschriebenes Deutungsmuster in unser aller Alltagskultur. Dementsprechend richten die Autoren und Autorinnen den Blick auf eben den Ort, an dem sich die ständige Reaktualisierung der Diskriminierung und Ausgrenzung – kurz: Machtverhältnisse – vollzieht: die Sprache. Verschiedenste Beiträge, oft aus der Perspektive von Betroffenen, also denjenigen, die rassistische Alltagspraktik nicht verleugnen können, nehmen sich in vier großen Kapiteln der Aufarbeitung und Kritik des eingekerbten Wissensbestandes an. Zunächst stehen die Konzepte und theoretischen Konstrukte zur Disposition, die, als Erben der Verdichtung des westlichen Kolonialismus zur Erzählung der Moderne, das Phänomen und seine vielschichtigen Implikationen und Ausläufe beschreiben. Auf dieser Basis wird verschiedenen Schlüsselbegriffen und Kernkonzepten rassistischer Ideologie nachgespürt, die allesamt mehr oder weniger offenkundige Festschreibungen einer weißen Überlegenheit verstetigen. Um aber nicht bloß beim Fingerzeig zu bleiben – der so oft nur als Vorwurf interpretiert wird und produktive (Selbst-)Reflexion damit verhindert –, werden im dritten Teil sprachliche Konzepte vorgestellt, die sich aus emanzipatorischen Interventionen von Betroffenen entwickelt haben. Diese Neuschreibungen – wie beispielsweise People of Color – als „Akt der Selbstbenennung“ (577) dokumentieren damit gleichsam die reale Möglichkeit, rassistische Sprachbestände herauszufordern und die Ausschlüsse von Identitätskonstruktionen zu reflektieren. Der vierte Teil dringt schließlich in die alltägliche mehrheitsdeutsche Sprachkultur und ihre zahlreichen Begriffe, „die wie ‚Arsendosen‘ ihre täglichen Giftdosen ins Sprechen streuen“ (14), vor. In dieser Breite der Auseinandersetzung liefert der Band einen unverzichtbaren Beitrag zu einer oft heruntergespielten Debatte. Als Anstoß, aber auch als Hilfestellung und Vorbild zur Reflexion geht er dabei weit über einen bloß akademischen Wirkradius hinaus.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 2.35 | 1.1 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Susan Arndt / Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörtern spricht. Münster: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32280-wie-rassismus-aus-woertern-spricht_38523, veröffentlicht am 01.11.2012. Buch-Nr.: 38523 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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