Portal für Politikwissenschaft

Das Argument mit den Nachbarn

Martina Keilbach

Das Argument mit den Nachbarn. Die Bedeutung des internationalen Vergleichs am Beispiel familienpolitischer Debatten in der Bundesrepublik Deutschland (1980-2006)

Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2010 (Transnationalisierung und Regionalisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart 4); 216 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-86583-468-3
Sozialwiss. Diss. Leipzig. – Die Autorin fragt nach der Funktion des internationalen Vergleichs, seinem Raumbezug und den Konsequenzen für die eigene Politik. Sie stellt die These auf, dass es immer wichtiger werde, die nationalen Wissensräume zu überschreiten. Keilbach konzentriert ihre Analyse auf zwei Themenfelder: die Parlamentsdebatten des deutschen Bundestages und Artikel in der Zeit, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Spiegel zu familienpolitischen Themen. Ihre Analyse zeigt, dass internationale Vergleiche in den öffentlichen Debatten im Untersuchungszeitraum von 1980 bis 2006 zunehmend verwendet wurden. Damit verifiziert sich ihre Anfangsthese. Des Weiteren stellt die Autorin eine spezifische, von einem europäischen Sozialraum ausgehende Form der Europäisierung fest. Zudem pflegten Parlamentarier und Journalisten einen sehr ungezwungenen Umgang „mit dem ‚Konstrukt’ Europa, seinen Einheiten und seinen Grenzen“ (187). Die Autorin kritisiert, dass es für sie oft schwer zu ermitteln war, welches Europa mit einer Äußerung gemeint gewesen sei. Zur Illustration führt Keilbach die häufig gestellte Forderung nach „dem Ausbau einer bedarfsgerechten Kinderbetreuungsinfrastruktur ‚nach europäischen Vorbild’“ (188) an. Diese beziehe sich vermutlich nicht auf Portugal oder Griechenland, weil es dort keine Infrastruktur gebe, oder Slowenien und Rumänien, weil man von dort nicht über gesicherte Daten verfüge, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auf Frankreich und Schweden. Die Autorin bilanziert, dass sich die Europäisierung im medialen Kontext durch den Vergleich mit den Anderen schleichend vollziehe und dass durch das In-Beziehung-Setzen des Eigenen mit dem Fremden Austauschbeziehungen und Verflechtungen gleichermaßen hergestellt und vorausgesetzt würden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.343 | 2.331 | 2.321 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Martina Keilbach: Das Argument mit den Nachbarn. Leipzig: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32557-das-argument-mit-den-nachbarn_38859, veröffentlicht am 30.08.2010. Buch-Nr.: 38859 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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