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"Talkin' 'bout my generation"

Anna von der Goltz

"Talkin' 'bout my generation" Conflicts of generation building and Europe's 1968

Göttingen: Wallstein Verlag 2011 (Göttinger Studien zur Generationsforschung / Veröffentlichungen des DFG-Graduiertenkollegs "Generationengeschichte" 6); 323 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-8353-0903-6
Wie konstruiert sich das Phänomen „1968“ im europäischen Kontext? Die Autoren beleuchten die Kommunikationsprozesse, aus denen sich das Bild der 68er-Generation zusammensetzt. Dabei berücksichtigen sie die unterschiedlichen Diskurse in Ost- und Westeuropa. Holger Nehring wirft einen Blick auf die soziale Konstruktion des Begriffes der Generation. Er stellt fest, dass sich Jugendliche in ganz Europa in dieser Zeit der verbindenden Elemente ihrer Lebensstile bewusst wurden und sich ein Bedürfnis nach gemeinsamer Identität entwickelte. Aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit sei gerade in Deutschland das Bedürfnis nach einer länderübergreifenden Verbindung und der Auseinandersetzung mit der Vätergeneration besonders stark ausgeprägt gewesen. Piotr Oseka zeigt die Besonderheiten der polnischen Bewegung auf. Diese sei zwar ähnlich der deutschen ein enger Verbund gewesen, die Auseinandersetzung mit der Vätergeneration habe aber keine spezielle Rolle gespielt. In Bezug auf die Situation in Westdeutschland hebt von der Goltz hervor, dass der Begriff der Generation maßgeblich durch Daniel Cohn-Bendit geprägt worden sei. Dieser zählte im Jahr 1968 zu den maßgeblichen Akteuren des BBC-Programms „Students in Revolt“ (13), in dem Studentenführer aus beiden Teilen Europas, den USA und Japan zu Wort kamen, Cohn-Bendit sang zusammen mit anderen Studentenführern mit ausgestreckter Faust die Internationale. Zusätzlich verbreitete sich in ganz Europa der amerikanische Protest-Slogan „Don’t trust anyone over 30!“ (12). Auf diese Weise habe sich eine gemeinschaftliche Verbundenheit unter den 68ern herausgebildet, die rückblickend von den Aktivisten immer stärker als Generationenkonflikt kommuniziert worden sei, schreibt von der Goltz. Insbesondere Cohn-Bendit habe dann durch eine Serie von Interviews mit ehemaligen Aktivisten aus den USA, Lateinamerika und Europa dazu beigetragen, das Bild von den 68ern als einer politischen Familie zu prägen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.61 | 2.2 | 2.313 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Anna von der Goltz: "Talkin' 'bout my generation" Göttingen: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33953-talkin-bout-my-generation_40695, veröffentlicht am 08.09.2011. Buch-Nr.: 40695 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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