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Die politische Theorie von Alain de Benoist

Ines Weber

Die politische Theorie von Alain de Benoist

Marburg: Tectum Verlag 2011 (Politikwissenschaften 42); 115 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2639-7
Magisterarbeit Greifswald; Gutachter: H. Buchstein. – Hat Alain de Benoist, der Vordenker der französischen Nouvelle Droite, eine politische Theorie? Das darf bezweifelt werden. Die Benoist-Lektüre wird für Weber im Zuge ihrer Arbeit zur „Leidenserfahrung“ (7). Ihr Programm, eine „umfassende, theorieimmanente und unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der politischen Gesamttheorie“ (12) zu leisten, bleibt unbestimmt. Trotz ihrer dezidiert kritischen und distanzierten Herangehensweise lässt sie sich gelegentlich von den starken Postulaten des Autors beeinflussen, etwa wenn sie seine Prämisse vom „gleichmachenden Anspruch“ (53) der Menschenrechte unkritisch paraphrasiert. Den Kern der Sache trifft Weber, wenn sie das Menschenbild von de Benoist zum Ausgangspunkt ihrer Analyse macht. Hier liegt tatsächlich die Wurzel seines Ansatzes, der sich als „differentialistischer Antirassismus“ (32 ff.) ausgibt und die Verteidigung fundamentaler menschlicher Ungleichheit zum „Dreh- und Angelpunkt“ macht: „Jedwede Form von Egalität wird als negativ […] stigmatisiert“ (75). Ist schon die biologistische Anthropologie, die Weber zu Recht mit Albert Memmi als „Neorassismus“ (101) charakterisiert, in sich unstrukturiert und widersprüchlich, so sind de Benoists Vorstellungen von einer „Idealgesellschaft“ noch dürftiger. Daher ist es konsequent, dass sich Weber schließlich den von de Benoist vorgetragenen „geistigen“ und „politischen“ „Strategien des Wandels“ zuwendet, die letztlich um das Konzept der „Metapolitik“ (83) kreisen. Seine Schriften bleiben, auch wo sie einen theoretischen Anspruch erheben, vorrangig politisch motiviert. Insofern wäre weniger nach einem stringenten oder gar widerspruchsfreien theoretischen Entwurf zu suchen, als vielmehr zu fragen, aus welchen jeweiligen strategischen Motiven heraus de Benoist zu einem bestimmten Moment ein bestimmtes Motiv (z. B. direkte Demokratie, Regionalismus, neopagane Religiosität) aufgreift. „Was ist […] von der politischen Theorie [von] de Benoist zu retten? Im Grunde nichts“ (72), urteilt Weber. Indem sie den Mythos eines neurechten politischen Theoretikers entzaubert, liefert sie einen wichtigen Baustein zur Analyse rechtsextremer Politik.
Gideon Botsch (GB)
Dr., Dipl. Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (http://www.mmz-potsdam.de).
Rubrizierung: 5.46 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Gideon Botsch, Rezension zu: Ines Weber: Die politische Theorie von Alain de Benoist Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34622-die-politische-theorie-von-alain-de-benoist_41605, veröffentlicht am 27.01.2012. Buch-Nr.: 41605 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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