Portal für Politikwissenschaft

Der Staat in der Fläche

Joachim Jens Hesse

Der Staat in der Fläche. Landesverwaltung ohne Mittelinstanz?

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Staatsreform in Deutschland und Europa 14); 269 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8329-7072-7
Das Buch enthält den Text eines Gutachtens für die niedersächsische Landesregierung aus dem Januar 2009. Gefragt wird im Wesentlichen, wie sich die niedersächsische Verwaltungsreform mit der Auflösung der mittleren Verwaltungsebene bewährt hat. Im Jahr 2004 schaffte die niedersächsische Regierung die bisherigen Bezirksregierungen als selbständige Mittelbehörden ab. An ihre Stelle traten Regierungsvertretungen als dezentralisierte Teile der Ministerialverwaltung an den Standorten Braunschweig, Lüneburg, Oldenburg und Hannover. Diese Regierungsvertretungen sollten regionale Aufgaben und koordinierende Funktionen in der Fläche wahrnehmen. Die Gutachter um Joachim Jens Hesse haben die Tätigkeit aller vier Regierungsvertretungen in der Zeit zwischen 2005 und 2008 evaluiert. Dabei wurden vier Prüfbereiche besonders berücksichtigt: Die Nachfrage nach Leistungen der Regierungsvertretungen, ihre Ausstattung, die Funktions- und Leistungsfähigkeit und die Schnittstellen, also das Verhältnis zur übrigen Landesverwaltung, und die externe Wahrnehmung. Methodische Grundlagen des Gutachtens sind vor allem die teilnehmende Beobachtung und Funktionsanalysen. Als empirische Basis dienen sowohl quantitative Daten als auch in Interviews und Workshops erhobene qualitative Informationen. Aus dem empirischen Material ist eine umfangreiche Datenbank entstanden, die im Anhang des Gutachtens dokumentiert ist. Das Gutachten entwirft drei Szenarien für die weitere Arbeit der Regierungsvertretungen: ihre mittelfristige Auflösung, die Fortschreibung und der Ausbau der bisherigen Tätigkeit oder die Profilierung als Entwicklungsagenturen. Im Ergebnis empfehlen die Gutachter zwischen zwei dieser Szenarien konsequent auszuwählen, das heißt, die Regierungsvertretungen entweder abzuschaffen oder eine deutliche Profilschärfung anzugehen. Das niedersächsische Kabinett hat auf dieser Basis im November 2010 beschlossen, die Regierungsvertretungen zu erhalten, sie an den Standorten Braunschweig, Lüneburg und Oldenburg zu konzentrieren, den Personalbestand zu straffen und die Funktion als regionale Entwicklungsagenturen zu stärken.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.325 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Joachim Jens Hesse: Der Staat in der Fläche. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34834-der-staat-in-der-flaeche_41876, veröffentlicht am 19.04.2012. Buch-Nr.: 41876 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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