Portal für Politikwissenschaft

Die antifeministische Männerrechtsbewegung

Hinrich Rosenbrock

Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung. Eine Expertise für die Heinrich-Böll-Stiftung

Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung 2012 (Schriften des Gunda-Werner-Instituts 8); 175 S.; 0,- €; ISBN 978-3-86928-073-8
Im Mittelpunkt dieser Expertise steht die seit Mitte der 1990er-Jahre aktive antifeministische Männerrechtsbewegung. Hierbei handelt es sich nicht um eine homogene Gruppe, sondern vielmehr um einzelne liberale, konservative, aber auch rechtsextreme Gruppierungen. Ihnen gemein ist eine pauschale Ablehnung des Feminismus, der unreflektiert mit Frauenherrschaft und Männerhass gleichgesetzt wird. Das Prinzip des Gender Mainstreamings beispielsweise, das entgegen oft propagierter Vorstellungen eine gleichheitliche Geschlechterpolitik für Frauen und Männer beinhaltet, wird als „politische Umerziehung“ (73) grundsätzlich abgelehnt. Es erfolgt in dem Band eine fundierte Auseinandersetzung mit den wichtigsten antifeministischen Netzwerken (agens, MANNdat, wgvdl). Treffend werden dabei Berührungspunkte zwischen Männerrechtsbewegung und rechtsextremer Szene hinsichtlich homophober und rassistischer Einstellungen und einem nahezu kriegerischen Männlichkeitsbild dargestellt. Anschließend wird die Intervention in Online-Foren bei drei gleichstellungspolitischen Debatten (Sorgerecht nicht verheirateter Väter, Feminismusdebatte durch Kristina Schröders Buchveröffentlichung, Debatte über Frauenquoten) durch massives Kommentieren mit dem Ziel einer Meinungsführerschaft als – momentan nicht erfolgreiche – Strategie der Männerrechtler analysiert. Der Autor kommt am Ende dieser informativen und lesenswerten Publikation zu der Überzeugung, dass die antifeministische Männerrechtsbewegung (noch) keine soziale Bewegung in der Definition der Bewegungsforscher um Dieter Rucht darstellt. Als Gründe hierfür sind die relativ geringe Masse, das eingeschränkte Mobilisierungspotenzial, das Fehlen einer gemeinsamen Vergangenheitskonstruktion und einer gesamtgesellschaftlichen Analyse zu nennen. Es ist zu hoffen, dass es dabei bleibt.
Dorothée Marth (DMA)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Projektleiterin bei der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens, Dresden.
Rubrizierung: 2.36 | 2.37 Empfohlene Zitierweise: Dorothée Marth, Rezension zu: Hinrich Rosenbrock: Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34943-die-antifeministische-maennerrechtsbewegung_42021, veröffentlicht am 16.08.2012. Buch-Nr.: 42021 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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