Portal für Politikwissenschaft

Kulturpolitik neu erfinden

Dieter Kramer

Kulturpolitik neu erfinden. Die Bürger als Nutzer und Akteure im Zentrum des kulturellen Lebens

Essen: Klartext 2012 (Edition Umbruch: Texte zur Kulturpolitik 28); 233 S. ; brosch., 19,95 €; ISBN 978-3-8375-0710-2
Die Kulturpolitik in Deutschland befindet sich in gleich mehreren tiefen Krisen. Dies ist die Ausgangsdiagnose des Autors, weshalb er die Kulturpolitik neu erfinden will. Die allseits bekannte Krise ist die finanzielle von Bund, Ländern und Kommunen, die dadurch ihre Mittel zur kulturellen Förderung kürzen. Zusätzlich erkennt Kramer noch eine Adressatenkrise, die dadurch entstehe, dass viele Bürger an der Teilnahme im kulturellen Bereich ausgeschlossen seien. Schließlich weist der Autor auf eine Inhaltskrise der Kulturpolitik hin. Sie werde im Zuge der neoliberalen Wende nicht mehr als Gesellschaftspolitik verstanden, sondern immer mehr als ein Faktor zur Hilfe der Wirtschaftspolitik. Der Bezug zu gesellschaftlichen Problemen und Herausforderungen bestehe so nicht mehr. Nach der Beschreibung des derzeitigen Zustandes hält Kramer zur Lösung der Krisen einen Paradigmenwechsel in Form einer Neuerfindung der Kulturpolitik für nötig. In seiner Vorstellung steht der Bürger als Förderer, Nutzer und Akteur im Mittelpunkt, denn dieser stelle das stabilste Element im Kulturprozess dar und sei der größte Förderer des kulturellen Lebens sowohl in Bezug auf Geld- als auch auf Zeitspenden. Letztlich sollen die Bürger souverän werden und selbst entscheiden, wie sie sich Kultur aneignen, anstatt durch eine bevormundende Kulturerziehung geleitet zu werden. Kulturpolitik solle sich daher mehr als ein Dienstleistungsangebot verstehen, als Berater und Ansprechpartner für das kulturelle Leben und den damit einhergehenden Problemen. Sie solle aktivieren, ermöglichen und Impulse geben, z. B. dadurch, dass sie die Vereinsarbeit unterstützt, Wettbewerbe fördert oder ordnungspolitisch im Sinne einer Sicherung der kulturellen Vielfalt oder zum Schutz vor Monopolbildung agiert. Kramer sieht zudem die Einrichtung von Kulturbüros vor, die die Aktivitäten der Bürger im Hinblick auf das gemeinschaftsbezogene sozialkulturelle Leben bündeln und nutzen sollen. Kulturpolitik wird aus dieser Perspektive letztlich ein Teil einer sozialkulturellen Infrastrukturpolitik, in die Probleme der Gesellschaft einbezogen werden könnten.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3432.325 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Dieter Kramer : Kulturpolitik neu erfinden. Essen: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35114-kulturpolitik-neu-erfinden_42265, veröffentlicht am 04.10.2012. Buch-Nr.: 42265 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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