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Auswirkungen von Privatisierungen auf Gewerkschaften

Matthias Richter-Steinke

Auswirkungen von Privatisierungen auf Gewerkschaften. Die Privatisierung der europäischen Eisenbahnen am Beispiel der Deutschen Bahn im Kontext von Liberalisierung, Europäisierung und Globalisierung

Münster: Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat 2011 (Wissenschaftliche Schriften der WWU Münster: Reihe VII 4); XVII, 466 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-8405-0034-3
Diss. phil. Münster; Begutachtung: B. Young, H.-J. Bieling. – In mehreren Ländern wurde der öffentliche Sektor, insbesondere der Schienenverkehr, in den vergangenen Jahren umfassend umstrukturiert und (teil-)privatisiert. Diese Liberalisierungs- und Privatisierungsprozesse des Verkehrsträgers wirken sich jedoch nicht nur auf die Bereitstellung von Infrastrukturleistungen und deren Konsumption aus, sondern bedeuten auch für die Bahnbeschäftigten eine enorme Umstellung. Vor allem mit Blick auf die zunehmende Arbeitslosigkeit in den allermeisten OECD-Staaten und die Deindustrialisierung in diesen Ländern sehen sich daher auch die Gewerkschaften vor große Veränderungen gestellt, die es im Interesse ihrer Mitglieder zu bewältigen gilt. Richter-Steinke untersucht vor diesem Hintergrund die Auswirkungen der Privatisierungen auf die gewerkschaftliche Interessenvertretung am Beispiel der Deutschen Bahn. Hierfür analysiert er bereits veröffentlichte Studien, Dokumente und aktuelle Medienberichte, aber führt auch zahlreiche qualitative Experteninterviews mit Gewerkschaftsmitarbeitern, um dadurch ein Bild vom Selbstverständnis der vom Privatisierungsprozess Betroffenen zu gewinnen. Mit Blick auf die österreichische Bahngesellschaft stellt Richter-Steinke fest, dass die Privatisierung des Schienenverkehrssektors zu einer ganzen Reihe an Konflikten und damit verbunden auch zu einer Schwächung der kollektiven Institutionen und der Verschlechterung der gewerkschaftlichen Handlungsposition führen kann. Wie das deutsche Exempel allerdings belegt, ergeben sich durch das Erkennen und die Nutzung neuer partizipatorischer Ebenen (etwa der Europäische Betriebsrat) durchaus Chancen und eine erweiterte Verhandlungsmacht, die die Deutsche Bahn-Gewerkschaften zu nutzen wussten. Dies hat jedoch nicht nur Vorteile, wie der Autor außerdem herausstellt: Die Gewerkschaften sehen sich im Zuge der Privatisierungen und Liberalisierung vor die Herausforderung gestellt, wettbewerbskorporatistische Zugeständnisse und soziale Sicherung in Einklang zu bringen. Diese Bemühungen können die Gewerkschaften – wie Richter-Steinke anhand der Fälle TRANSNET und GDBA zeigt – an die Grenzen der Konzessionsbereitschaft ihrer Mitglieder und der Lastenverteilung besonderer Statusgruppen bringen.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.22 | 2.331 | 2.263 | 2.343 | 2.262 | 2.342 | 3.5 | 2.4 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Matthias Richter-Steinke: Auswirkungen von Privatisierungen auf Gewerkschaften. Münster: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35455-auswirkungen-von-privatisierungen-auf-gewerkschaften_42737, veröffentlicht am 25.10.2012. Buch-Nr.: 42737 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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