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Staatliche Dezentralisierung und lokale Demokratisierung in Bolivien und Chile

Moira Juliana Zuazo Oblitas

Staatliche Dezentralisierung und lokale Demokratisierung in Bolivien und Chile. Das ländliche Munizip als Transmitter der politischen Integration von Indigenen/Campesinos in Bolivien als Hauptstudienfall

Online-Publikation 2011 (http://kops.ub.uni-konstanz.de/bitstream/handle/urn:nbn:de:bsz:352-128197/Diss_ZuazoM.pdf); 227 S.
Diss. Konstanz; Begutachtung: M. Ibler, C. Knill, V. Schneider. – Betrachtet man die gegenwärtige Berichterstattung, dann taucht Bolivien – wenn überhaupt – am Rande und dann in Verbindung mit Evo Morales und seiner Vorstellung einer sozialistischen Gesellschaftserneuerung auf. Dass das zweitärmste Land Südamerikas indes auch ein spannender Fall von Demokratisierungsprozessen sein kann, zeigt diese Dissertation. Zuazo Oblitas geht der Frage nach, inwiefern unter den gegebenen Umständen – Armut, schwacher institutioneller Rahmen des Staates, Integrationsproblematik indigener Bevölkerungsgruppen – die seit Mitte der 1990er-Jahre implementierte „Munizipalisierung“, also eine Form lokal dezentraler Demokratisierung, die Entwicklung eines bürgerschaftlichen Engagements sowie einer breiten Staatsbürgerkultur des Landes beeinflusst hat. Die Autorin nähert sich diesem Thema auf dem Wege der Auswertung quantitativer und qualitativer Daten, wobei letztere insbesondere halbstrukturierte Interviews meinen, die im ländlichen Bolivien durchgeführt wurden und auf die die Autorin zurückgreifen durfte. Es handelt sich offensichtlich also nicht um eine eigene Erhebung. Dabei kommt sie zu dem ambivalenten Ergebnis, dass die Munizipalisierung zwar ein bürgerschaftliches Engagement auszuprägen geholfen habe, dieses aber bei indigenen Bevölkerungsgruppen wegen „der Unsicherheit, die der Wandel bedeutet“ (212), vergleichsweise schwächer ausgeprägt sei. Lokale Autonomie befördert demnach die Demokratisierung einer Gesellschaft – auch unter den für Bolivien einschlägigen Umfeldbedingungen. In Chile dagegen – das die Autorin als Referenzfall parallel zu Bolivien mit untersucht hat – scheint sich eine lokale Demokratisierung weniger stark bzw. „zaghafter“ (203) zu vollziehen. Als Gründe für diesen Befund führt Zuazo Oblitas einen für das Land typischen Zentralismus und die damit in der politischen Kultur verankerten Skepsis gegenüber dezentralen Problemlösungsmustern an – Dezentralisierungsbemühungen seien in Chile noch nie aus der Gesellschaft selbst hervorgegangen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.65 | 2.21 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Moira Juliana Zuazo Oblitas: Staatliche Dezentralisierung und lokale Demokratisierung in Bolivien und Chile. 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35458-staatliche-dezentralisierung-und-lokale-demokratisierung-in-bolivien-und-chile_42740, veröffentlicht am 18.10.2012. Buch-Nr.: 42740 Rezension drucken

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