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Politische Kommunikation: Von der klassischen Rhetorik zur Mediendemokratie/La communication politique: De la rhétorique classique à la démocratie des médias

Felix Heidenreich / Daniel Schönpflug (Hrsg.)

Politische Kommunikation: Von der klassischen Rhetorik zur Mediendemokratie/La communication politique: De la rhétorique classique à la démocratie des médias

Berlin: Lit 2012 (Kultur und Technik 21); 189 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-643-11742-7
Politische Kommunikation ist einerseits eng verbunden mit der Hoffnung auf rationale Politiklösungen, die sich aus dem Für und Wider der Argumente ergeben sollen. Andererseits dient sie der Machtausübung. Felix Heidenreich weist in seiner Einleitung auf diese gegensätzlichen Einschätzungen gerade in deutschen und französischen Texten über die politische Kommunikation hin. Er grenzt diese von sonstiger Kommunikation insofern ab, als sie „zumindest vermittelt auf kollektive bindende Entscheidungen“ (11) abzielt. Die politische Kommunikation umfasse dabei neben Reden und Texten auch Kunstwerke, Fotografien, Baupläne oder Fernsehinszenierungen. Nach der den theoretischen Rahmen skizzierenden Einleitung ist das Sammelwerk, das auch drei französischsprachige Texte enthält, in zwei Abschnitte gegliedert. Der erste Teil nimmt sich der Theorie und Praxis politischer Rhetorik und ihrer Geschichte an, indem etwa die Rolle des Briefes als ein Medium im 18. Jahrhundert oder auch die Bedeutung der Rhetorik bei Hans Blumenberg analysiert werden. Der zweite Teil widmet sich aktuellen Tendenzen der Mediendemokratie. Jacob Leidenberger zeigt zum Beispiel mithilfe eines Vergleiches von Fernseh‑Nachrichten aus Deutschland und Frankreich auf, dass eine „Boulevardisierung“ (91) im deutschen Privatfernsehen eindeutig festzustellen ist. Mit dem interessanten Interview mit Paula Diehl über „die politische Kommunikation des Populismus“ (179) endet das Buch. Dabei werde, so ihre Erläuterungen des Phänomens Populismus, ein homogenes Volk konstruiert, um sich von Berufspolitikern, Eliten und teils von Minderheiten abzugrenzen. Der „leader“ (180) trete dann mit dem Anspruch der Volksrepräsentation auf, die er durch Volksnähe zu beweisen versuche. Gleichzeitig inszeniere er sich jedoch als Erlöser und Retter. In ihrer Einschätzung des (als graduelles Konzept zu verstehenden) Populismus beschreibt die Autorin die Ambivalenz des Phänomens, das einerseits als notwendiges Korrektiv von Fehlentwicklungen einer mangelnden Responsivität betrachtet werden könne, andererseits aber dann zum Problem werde, wenn die politischen Institutionen und Prozeduren als solche delegitimiert werden.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.222.3332.612.67 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Felix Heidenreich / Daniel Schönpflug (Hrsg.): Politische Kommunikation: Von der klassischen Rhetorik zur Mediendemokratie/La communication politique: De la rhétorique classique à la démocratie des médias Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35571-politische-kommunikation-von-der-klassischen-rhetorik-zur-mediendemokratiela-communication-politique-de-la-rhtorique-classique--la-dmocratie-des-mdias_42917, veröffentlicht am 21.02.2013. Buch-Nr.: 42917 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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