Portal für Politikwissenschaft

Vertrauen in die Führungseliten der Gesellschaft

Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.)

Vertrauen in die Führungseliten der Gesellschaft

Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag 2012 (19. Wittenberger Gespräch); 104 S.; brosch., 9,95 €; ISBN 978-3-89812-959-6
Im März 2012 trafen sich auf Einladung von Ministerpräsident Reiner Haseloff Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Wissenschaft, um über eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Funktionieren von demokratischen Gesellschaften zu sprechen: Das Vertrauen in die Führungseliten. Der Band dokumentiert die in der Lutherstadt Wittenberg gehaltenen Vorträge. In seiner Einführungsrede erarbeitet sich Bundespräsident a. D. Horst Köhler zunächst klare Verständnisse von den Begriffen Gesellschaft, Elite, Führung und Vertrauen, da nur durch die inhaltliche Offenlegung des Bezeichneten über alle mit diesen Begriffen verbundenen Fragen gesprochen werden könne. Köhler stellt in seinen Überlegungen unter anderem heraus, dass es keine Wesensfeindschaft zwischen demokratischen Gesellschaften und einer Elitenbildung gibt, weil die demokratische Idee keineswegs „auf der Fiktion gebaut [ist], alle Bürger seien gleich stark, gleich klug und gleich geschickt“ (28). Daher sei es richtig und notwendig, die in allen Bereichen der Gesellschaft vorhandenen Spitzenpositionen an geeignete, leistungsstarke und befähigte Menschen – gleich welcher Herkunft oder welchen Geschlechts – zu vergeben, da sie den Positionen innewohnenden Aufgaben mit Sinn und Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber auszufüllen vermögen. Vertrauen begreift Köhler als „kulturelle und gesellschaftliche Gemeinschaftsleistung“ (35), die auf freiwilliger Gegenseitigkeit beruht und Kooperation ermöglicht, die aber auch verpflichtet. Bernhard Pörksen widmet sich in seinem Beitrag insbesondere der Frage, ob Medien Vertrauen zerstören oder helfen, es (wieder‑)herzustellen. Seine „Antwort besteht in einem klaren ‚Sowohl‑als‑auch‘ und einem nicht minder entschiedenen ‚Es‑kommt‑darauf‑an‘“ (77). Diese scheinbar paradoxe Antwort begründet Pörksen damit, dass Medien Vertrauen durch Misstrauen anderen gegenüber erzeugen, selbst aber vom Vertrauen in ihre eigene Glaubwürdigkeit leben. Der Band präsentiert außerdem auch den auf dem Symposium gehaltenen Festvortrag, der sich aus Anlass des 800‑jährigen Anhaltjubiläums mit den Anhaltischen Musenhöfen befasst.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.35 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Vertrauen in die Führungseliten der Gesellschaft Halle (Saale): 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35666-vertrauen-in-die-fuehrungseliten-der-gesellschaft_43059, veröffentlicht am 28.02.2013. Buch-Nr.: 43059 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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