Portal für Politikwissenschaft

Competitive Nation-Building in Timor-Leste

Andre Borgerhoff

Competitive Nation-Building in Timor-Leste. With Particular Reference to the Discourse on the Postcolony's "Language Tetralemma" During the Years 2002-07

Berlin: regiospectra Verlag 2012; XXI, 383 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-940132-47-5
Politikwiss. Diss, Münster; Begutachtung: S. Feske, P. Kevenhörster. – Osttimor, der Inselstaat in Südostasien, wird seit einigen Jahren (auch im offiziellen Schriftdeutsch) als Timor‑Leste bezeichnet. Es gehört zum Selbstverständnis der Republik, auf die Verwendung des portugiesischen Landesnamens zu bestehen. Borgerhoff erklärt mit Blick auf den Nation‑Building‑Prozess des Landes, aufgrund welcher sozio‑kulturellen wie politischen Umstände Portugiesisch so eine Dominanz entwickeln und zur zweiten Amtssprache aufsteigen konnte. Außerdem zeigt er, welche Konfliktpotenziale in der auf eine strikte Lusophonie (d. h. die Verbreitung des Portugiesischen in der Welt) ausgerichteten Sprachpolitik seiner Meinung nach enthalten sind und wie diese im Zeitraum von 2002 bis 2007 ausbrachen. Auf Basis qualitativer Daten, die Borgerhoff im Rahmen halbstandardisierter Interviews mit Angehörigen lokaler Eliten bereits 2005 führte, kommt er zu einem ernüchternden Befund. Die in Timor‑Leste implementierte Sprachpolitik werde den Bedürfnissen der heterogenen Bewohnerschaft nicht gerecht, weil sie die vorhandene Multilingualität (Indonesisch, Englisch, Portugiesisch, Tetum) nicht produktiv für den Nation‑Building‑Prozess aufgreife; stattdessen sei die historisch bedingt überaus starke Rolle des Portugiesischen untermauert worden, obwohl daran schwierige kollektive Erfahrungen gekoppelt seien – der Kolonialismus, der Widerstand gegen die indonesische Besatzung und die kriegerischen Auseinandersetzungen auch in der gegenwärtigen Gesellschaft Timor‑Lestes. Insgesamt liefert die Arbeit einen klar strukturierten, gut aufbereiteten und materialreichen Zugriff auf den problem‑ und spannungsreichen Umgang mit Sprache als Politikum in Situationen fragiler Staatlichkeit.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.68 | 2.21 | 2.22 | 2.23 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Andre Borgerhoff: Competitive Nation-Building in Timor-Leste. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35846-competitive-nation-building-in-timor-leste_43758, veröffentlicht am 19.06.2013. Buch-Nr.: 43758 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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