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Archiv für Sozialgeschichte. 53. Band 2013

Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.)

Archiv für Sozialgeschichte. 53. Band 2013

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2013; XX, 619 S.; Ln., 58,- €; ISBN 978-3-8012-4220-6
Es ist zunächst einmal überraschungsfrei, dass das Archiv für Sozialgeschichte den Band des Jahres 2013 dem 150‑jährigen Parteijubiläum der SPD widmet. Das Rahmenthema ist mit „Demokratie und Sozialismus: Linke Parteien in Deutschland und Europa seit 1860“ aber recht weit gesteckt. In Anbetracht der 2013 üppig erschienenen Literatur zum Thema soll wohl die Kreativität der Beiträge nicht allzu sehr eingeschränkt werden. Texte zur sudetendeutschen Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit oder kleinräumige Studien wie die zu den linksproletarischen Milieus in Leipzig am Ende der Weimarer Republik lassen sich so gut unterbringen. Die Kehrseite dieser Themensetzung ist allerdings, dass die zusammengestellten Beiträge doch recht unverbunden nebeneinander stehen, ohne roten Faden, ohne Leitidee und ohne zeitliche Fokussierung. Stattdessen muss man sich mit langen Linien (zum Beispiel mit der Genese der Sozialdemokratie in Deutschland und der Schweiz), mit Spezialfragen (zum Beispiel Netzwerke linker Opposition in der SPD nach 1945) oder mit Wandlungsprozessen sozialdemokratischer Parteien auseinandersetzen, die sich mal binnen 40 und mal innerhalb weniger Jahre abgespielt haben. Schon bei der Lektüre des Einleitungsbeitrags fällt auf, dass die – wie immer sehr fundierten und lesenswerten – Einzelbeiträge wenig im Zusammenhang stehen, ja sie erfüllen auch nicht immer die Anforderung, die ihnen von der Redaktion zugewiesen worden sind. Während Benjamin Ziemann in seiner Einleitung die „Orientierungskrise der deutschen Sozialdemokratie“ nach 1989 auf das Ende der „traditionellen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung“ (14) zurückführt und auf den dazugehörigen Beitrag von Bernd Faulenbach verweist, wird man dort nur leider nicht wirklich fündig. Faulenbach rekurriert nämlich vor allem auf die Rezeption der weltgeschichtlichen Umbrüche in Osteuropa in der westeuropäischen Sozialdemokratie. Wenn Ziemann einen „Abgesang auf die Mobilisierungs‑ und Organisationsleistung sozialdemokratischer Massenparteien“ (18) für verfrüht hält, liefern auch und gerade die Beiträge zur Geschichte der französischen, italienischen und – in der Zusammenstellung übrigens besonders prominent vertreten – britischen Sozialdemokratie dazu bestenfalls spärliche Hinweise. Die Schwäche dieses Bandes liegt also nicht in den Aufsätzen selbst, sondern in der zu offenen Themensetzung.
Stephan Klecha (SKL)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.331 | 2.311 | 2.313 | 2.35 | 2.61 | 2.5 Empfohlene Zitierweise: Stephan Klecha, Rezension zu: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Archiv für Sozialgeschichte. 53. Band 2013 Bonn: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36679-archiv-fuer-sozialgeschichte-53-band-2013_44963, veröffentlicht am 30.01.2014. Buch-Nr.: 44963 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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