Portal für Politikwissenschaft

Willy Brandt

Bernd Faulenbach

Willy Brandt

München: C. H. Beck 2013 (C. H. Beck Wissen in der Beck'schen Reihe 2780); 129 S.; 8,95 €; ISBN 978-3-406-65466-4
Nicht einmal fünf Jahre lang war Willy Brandt Bundeskanzler, doch sollte seine Amtszeit die Bundesrepublik maßgeblich mitprägen – seine Ostpolitik wies den Weg zu einem friedlichen Miteinander von Ost und West mitten im Kalten Krieg und sein Aufruf, mehr Demokratie zu wagen, ist immer noch von zeitloser Aktualität. Dass es ausgerechnet Brandt war, der diese politischen Meilensteine setzte, hing eng mit seiner Biografie zusammen, wie Bernd Faulenbach, Professor in Bochum und Vorsitzender der Historischen Kommission beim SPD‑Vorstand, in diesem kompakten Überblick zeigt. Das Buch kann zugleich als Ergänzung der „Geschichte der SPD“ (siehe Buch‑Nr. 43018) gelesen werden. Brandts Lebensdaten fielen, wie Faulenbach einleitend bemerkt, mit dem „‚kurzen 20. Jahrhundert“ zusammen – geboren ein halbes Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und gestorben 1992, „kurz nach der Epochenwende, die durch den Untergang der kommunistischen Welt und durch die Überwindung der europäischen und der deutschen Spaltung markiert wird“ (7). Knapp und präzise lässt Faulenbach chronologisch wichtige Lebensstationen Revue passieren und noch einmal könnte man sich fremdschämen für eine politische Kultur der Nachkriegszeit, in der Diffamierungen Brandts ob seiner unehelichen Geburt und seiner Emigration während der NS‑Diktatur zum guten Ton konservativer Kreise gehörten. Dabei sei die Aussage von Franz Josef Strauß „Was haben Sie zwölf Jahre lang draußen gemacht? Wir wissen, was wir drinnen gemacht haben“ (46) doch ungewollt doppeldeutig gewesen, schreibt Faulenbach, was aber vielen Zeitgenossen nicht aufgefallen sei. Herausgearbeitet wird neben der Bedeutung der Ostpolitik und der Veränderung des Politikbegriffs auch Brandts europäische Orientierung. Relativiert erscheinen dagegen die Urteile über seine (psychische) Konstitution; Faulenbach sieht in den Auszeiten, die sich Brandt zustand, kein Beweis von Depressionen, die ihn regierungsunfähig gemacht hätten – er habe allenfalls an einem Burnout gelitten, was angesichts von Anforderungen wie Anfeindungen nicht ungewöhnlich gewesen sei. Überhaupt wird der Mensch Brandt zurückhaltend freundlich eingeschätzt, von vermeintlich tiefgründigen Ausdeutungen hält sich der Historiker fern. Die „sozialdemokratische Jahrhundertgestalt“, wie ihn Faulenbach, Hans‑Peter Schwarz zitierend, nennt, habe – so die abschließende Betrachtung – auch dem 21. Jahrhundert noch etwas zu sagen, denn Brandt habe immer nach neuen Wegen gesucht, „um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in einer sich wandelnden Welt zu realisieren“ (123).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.312.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bernd Faulenbach: Willy Brandt München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36695-willy-brandt_44706, veröffentlicht am 06.02.2014. Buch-Nr.: 44706 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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