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Zur unterschiedlichen Wahrnehmung des Politischen in den USA und der Bundesrepublik Deutschland

Arne Arps

Zur unterschiedlichen Wahrnehmung des Politischen in den USA und der Bundesrepublik Deutschland

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2013 (Aktuelle Probleme moderner Gesellschaften 13); 349 S.; geb., 56,95 €; ISBN 978-3-631-64550-5
Diss. Vechta. – Deutschland und die USA sind Staaten mit äußerst unterschiedlicher politischer Kultur und Geschichte. Arne Arps beleuchtet die Auswirkungen dieser Unterschiede anhand folgender Leitfrage: „Welchen wechselseitigen Einfluss haben die Wahrnehmung des Politischen und die praktische Ausübung der Politik?“ (13) In seiner Analyse hebt er besonders auf die Bedeutung der politischen Kommunikation ab: In Deutschland beispielsweise wecke politische Rhetorik – eingedenk der Nazi‑Demagogie – meist negative Konnotationen. Grundsätzlich sei die Wahrnehmung des Politischen bei jedem Bürger „ein subjektiver, emotionaler Prozess“, „ein Produkt seiner Sozialisation“ (129), für die nicht zuletzt die ihn umgebende politische Kultur maßgeblich sei. Anders als in den USA, wo das Gemeinwesen – bei aller Unzufriedenheit – von den Bürgern zivilreligiös aufgeladen werde, fehle in Deutschland, „trotz der verbreiteten Akzeptanz der Republik, die emotionale Festigung dieser als aktive, ureigene Lebensform“ (130). Arps rekonstruiert diese Verschiedenheit anhand der politischen (Gründungs‑)Geschichte beider Länder. Ausgehend von der Kolonialzeit zeigt er im Fall der USA etwa den entscheidenden Einfluss der Federalist Papers und die Rolle des Gründungsmythos. Im Gegensatz dazu fehle „der Demokratie in Deutschland der historische Glanz“ (131). Diese Unterschiede haben natürlich Einfluss auf die politische Kommunikation: In den USA wird das demokratische Mehrheitssystem seit jeher von offener politischer Debatte flankiert, während in Deutschland lange der Obrigkeitsstaat für eine Polarisierung zwischen herrschender Elite und „einfachem Volk“ sorgte – zwei Akteure, zwischen denen die politische Kommunikation bis heute „nur unzureichend ein argumentativer Austausch“ (145) sei. Diese Befunde verbindet Arps anschließend mit den Thesen dreier Autoren, deren Wirken sich mit den politischen Kulturen deutscher und US‑amerikanischer Prägung befasst: Ernst Vollraths Phänomenologie des Politischen, Siegfried Landshuts Begriff der Repräsentation und Wilhelm Hennis’ Amtsgedanke, das „Aufgabenprofil eines politischen Akteurs“ (150). Dabei bedient Arps sich ausführlicher Zitationen aus Werken der drei Autoren, was nachvollziehbar ist. Der Mehrwert ausschweifend‑langer Zitate aus Sekundärliteratur im Rest des Buches, etwa zum Thema Partizipation, bleibt dagegen eher unklar.
Frank Kaltofen (FK)
Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.12.642.225.422.3312.352.23 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Arne Arps: Zur unterschiedlichen Wahrnehmung des Politischen in den USA und der Bundesrepublik Deutschland Frankfurt a. M. u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37309-zur-unterschiedlichen-wahrnehmung-des-politischen-in-den-usa-und-der-bundesrepublik-deutschland_45698, veröffentlicht am 17.07.2014. Buch-Nr.: 45698 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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