Portal für Politikwissenschaft

Accountability without Election

Nicole Greuter

Accountability without Election. The Attribution of Responsibility in the Financial Crisis 2007-2010

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Politische Kommunikation und demokratische Öffentlichkeit 10); 274 S.; brosch., 49,- €; ISBN 978-3-8487-1449-0
Politikwiss. Diss. Zürich; Begutachtung: D. Kübler. – Mit dem Ausbruch und dem Verlauf der Finanz‑ und Wirtschaftskrise wurde auch für eine breite Öffentlichkeit sichtbar, welchen Einfluss nicht gewählte politische Akteure, wie zum Beispiel Aufsichtsbehörden auf dem Finanzmarkt, haben – vor allem, wenn es trotz ihrer Aufsicht zu Ungleichgewichten mit erheblichen Folgen kommt. Nicole Greuter vergleicht, wie verschiedene Institutionen in den Medien zwischen 2007 und 2010 – also zur Hochzeit der Krise – dargestellt wurden. Ihr besonderes Augenmerk gilt der Zuschreibung von Verantwortung. Konkret betrachtet sie die mediale Darstellung des Finanzministeriums, der Zentralbank und der Aufsichtsbehörden in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. Die Ausführungen bestechen durch ihre sorgfältige methodische Unterfütterung und die Vielzahl an überprüften Hypothesen. Neben den vielen einzelnen Ergebnissen sticht eine Erkenntnis besonders hervor: In der Abwesenheit einer demokratischen Legitimation, wie beispielsweise bei Ministerien, sorgen Darstellungen in den Medien dafür, dass sich auch nicht gewählte Akteure der Öffentlichkeit stellen müssen. Medienberichte verursachen demnach eine kommunikative Öffnung, diese Akteure wiederum dazu veranlasst, sich zum Beispiel durch Pressemitteilungen der Öffentlichkeit verständlich zu machen. Dies soll einerseits ihre Legitimität stärken und weiterhin die Verantwortung für mögliche eigene Verfehlungen relativieren. „The regulators are not independent of politics, the industry or the media.“ (245) – Mit diesem Schlusssatz fasst die Autorin das Ergebnis ihrer Arbeit prägnant zusammen. Auch wenn Akteure wie Aufsichtsbehörden als unabhängig konzipiert werden und diese Unabhängigkeit immer wieder betont wird, entspricht diese Konstruktion also nicht der Wahrheit. Sie müssen sich ebenso wie andere Akteure den Urteilen aus der Politik, den Medien und nicht zuletzt der Öffentlichkeit stellen, wenn sie weiterhin als legitim betrachtet werden wollen.
Max Lüggert, M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Rubrizierung: 2.22.222.612.52.3332.322.21 Empfohlene Zitierweise: Max Lüggert, Rezension zu: Nicole Greuter: Accountability without Election. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38123-accountability-without-election_46626, veröffentlicht am 26.02.2015. Buch-Nr.: 46626 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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