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Demokratie in Zeiten der Konfusion

Helmut Willke

Demokratie in Zeiten der Konfusion

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2014 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2131); 175 S.; 14,- €; ISBN 978-3-518-29731-5
Die Ursache von „Konfusion“ sieht Helmut Willke darin, dass „zwei fundamentale Transformationen – Globalisierung und Wissensgesellschaft – konvergieren und eine globale Hyperkomplexität erzeugen, die Ausgangs‑ und Brennpunkt der Konfusion ist“ (8). Willke, Professor für Global Governance in Friedrichshafen, beobachtet eine Überforderung der Demokratie, die er auf die Deregulierung in vielen Lebensbereichen sowie den Untergang des Sozialismus und die damit einhergehenden Entwicklungen zurückführt. Die Demokratie sei zwar die beste verfügbare Staatsform, aber angesichts der heutigen Herausforderungen nicht gut genug. „[D]urch Globalisierungs‑, Entterritorialisierungs‑ und Entgrenzungsprozesse“ gerate die Demokratie „zwangsläufig in Schwierigkeiten“ (49). Sie sei mehrfachen Bedrohungen ausgesetzt, die Willke anhand der Krisen der Legitimität, der Partizipation und der Transparenz ausmacht. Die Bedrohungen führen ihn zu der Feststellung, „dass die Demokratie als Steuerungsform ihre Strukturen, Prozesse und Regelsysteme überprüfen […] und in einem kontinuierlichen Lernprozess den aktuellen Bedingungen anpassen muss“ (89). Im Anschluss präsentiert er alternative Formen der politischen Steuerung. So sieht er zum Beispiel in der chinesischen Variante der politischen Steuerung eine stärkere Strategie‑ und eine langfristigere Lernfähigkeit. Außerdem bemerkt der Autor, „dass die europäische Variante der Demokratie eher der chinesischen Variante von politischer Steuerung als klassischen Demokratieformen entspricht“ (111). Um der Konfusion entgegenzutreten, plädiert Willke für die Auslagerung und Bearbeitung komplizierter und auf Dauer angelegter Themen an Institutionen wie Think Tanks oder spezialisierte Institute. Ebenso bedürfe es einer besseren Verflechtung von Regionen, die sich gegenseitig unterstützen sollten, um die Defizite des Wissens durch die Vernetzung des Know‑hows auszugleichen.
Timo Freudenberger, Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.412.2 Empfohlene Zitierweise: Timo Freudenberger, Rezension zu: Helmut Willke: Demokratie in Zeiten der Konfusion Frankfurt a. M.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38172-demokratie-in-zeiten-der-konfusion_46631, veröffentlicht am 12.03.2015. Buch-Nr.: 46631 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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