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Mitgliederfluktuation in den Parlamenten der deutschen Bundesländer

Till Heinsohn

Mitgliederfluktuation in den Parlamenten der deutschen Bundesländer. Eine Bestandsaufnahme und Ursachenforschung

Berlin: Lit 2014 (Policy-Forschung und Vergleichende Regierungslehre 17); 289 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-643-12659-7
Diss. Bern; Begutachtung: M. Freitag, M. Debus. – Das „Ausmass und die Variation parlamentarischer Mitgliederfluktuation“ (73) in den deutschen Bundesländern seit Ende des Zweiten Weltkrieges bis 2012 umfassend und vergleichbar abzubilden, ist das Ziel Till Heinsohns. In seiner in der politischen Soziologie verorteten Studie unterscheidet er zwischen der außerordentlichen und der ordentlichen Mitgliederfluktuation. Mit Ersterer sind die personellen Veränderungen gemeint, die sich während einer Legislaturperiode ergeben, und Letztere bezeichnet die, die sich am Wahltag ergibt. Insgesamt untersucht der Autor 196 Landtagswahlen und stellt dabei fest, dass sich die ordentliche Fluktuationsrate auf 37,1 Prozent beläuft, also mehr als ein Drittel der Abgeordneten eines Parlaments am Wahltag ausgetauscht werden. Die Parlamente der Bundesländer Niedersachsen, Hamburg, Sachsen‑Anhalt, Nordrhein‑Westfalen, Saarland, Bremen, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg‑Vorpommern liegen im Mittel über dem Länderdurchschnitt – das letztgenannte Bundesland hat eine Legislative mit der instabilsten personellen Zusammensetzung bei einer Fluktuation von 43,7 Prozent. Die durchschnittliche außerordentliche Fluktuationsrate in den Parlamenten der deutschen Bundesländer lag bei 13,1 Prozent. Mit anderen Worten: Im Untersuchungszeitraum scheidet im Durchschnitt etwa jeder achte Abgeordnete während einer Legislaturperiode aus dem Parlament aus. Die Analyse deutet nicht nur auf „beachtliche Niveauunterschiede zwischen den Bundesländerparlamenten selbst, sondern auch innerhalb dieser im Zeitverlauf hin“ (102). Heinsohn spricht von in personeller Hinsicht „äußerst instabile[n] gesetzgebende[n] Kammern“ (235). Die ordentliche und die außerordentliche Fluktuationsrate summierten sich alles in allem auf über 50 Prozent, sodass sich von der einen auf die andere Legislaturperiode im Mittel mehr als die Hälfte der Parlamentarier austausche, was für die Handlungsfähigkeit der Parlamente nicht förderlich sei. Ändern ließe sich dies durch eine höhere Entschädigung der parlamentarischen Tätigkeit, so der Autor. Da die Arbeitsbelastung der Landtagsabgeordneten stetig zugenommen habe und ein Kompetenz‑ sowie Bedeutungsverlust der Bundesländerparlamente vielfach beklagt werde, würde „die obligatorische Ausstattung aller Landtagsabgeordneten mit persönlichen Mitarbeitern und der personelle Ausbau der Parlamentsdienste nicht nur eine Entlastung der Parlamentarier selbst dar[stellen], sondern könnte auch dabei helfen, die durch Kompetenzgewinne entstehende Mehrarbeit abzufedern“ (243).
Sabine Steppat, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.325 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Till Heinsohn: Mitgliederfluktuation in den Parlamenten der deutschen Bundesländer. Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38413-mitgliederfluktuation-in-den-parlamenten-der-deutschen-bundeslaender_46581, veröffentlicht am 13.05.2015. Buch-Nr.: 46581 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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