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25 Jahre Perestroika. Gespräche mit Boris Kagarlitzki

Kai Ehlers

25 Jahre Perestroika. Gespräche mit Boris Kagarlitzki. Band 1: Gorbatschow und Jelzin. 1983-1996/97: Perestroika, Putsch, Revolte, Übergang in die Restauration

Hamburg: LAIKA Verlag 2015 (laika diskurs); 375 S.; 19,- €; ISBN 978-3-944233-28-4
Die neoliberale Austeritätspolitik, die fortan die russische Politik bestimmen sollte, zeichnete sich nach Beobachtung von Boris Kagarlitzki bereits im März 1988 ab: „niedrige Löhne, staatliche Subventionen nur noch dann, wenn sich anders offene Konflikte nicht vermeiden lassen. Alle Macht den Managern. Selbstverwaltungskonzepte sind ihnen zufolge nichts anderes als idealistische Flausen einiger törichter Linker“ (43). Man darf annehmen, dass diese Schilderungen des sowjetischen Dissidenten, marxistischen Theoretikers, Soziologen und Politikers Kagarlitzki von seinem Besuch aus Deutschland nicht gerade als frohe Botschaft vernommen wurden. Kai Ehlers, der 1971 den Kommunistischen Bund in Hamburg mitbegründet hatte und zur Redaktion der Zeitung arbeiterkampf (ak) gehörte, hatte Kontakt zu Kagarlitzki aufgenommen, um mit ihm über die Perestroika zu sprechen – die, so legt es die Rückschau nahe, in diesem Moment schon zum Scheitern verurteilt war. Ehlers traf sich in den folgenden Jahren, nach Ausscheiden aus der Redaktion des ak als selbstständiger Russlandforscher, wiederholt mit Kagarlitzki, um die weitere Entwicklung auszuloten. Diese Gespräche, die sie bis 1994 führten (die Jahreszahlen im Untertitel umfassen einen längeren Zeitraum), sind in diesem Buch abgedruckt und durch Chronologien ergänzt. Sie vermitteln einen subjektiven, aber dennoch auf vielen genauen Beobachtungen und Gesprächen basierenden Eindruck von der großen Umbruchphase, beginnend mit der Perestroika über die Auflösung der Sowjetunion bis zur Etablierung des neuen Systems. Die Analyse Kagarlitzkis und damit einhergehend der Ausblick auf die Zukunft des Landes fällt dabei eher deprimierend aus: „Russland ist heute [1994] weiter entfernt davon, ein kapitalistisches Land nach westlichem Muster zu sein, als vor 91. Es läuft eine Primitivisierung der Ökonomie. Das bedeutet, es zerfällt der innere Markt. […] Das stabilisiert keinen Arbeitsmarkt. Das heißt, Menschen arbeiten nicht, um zu produzieren […]. In diesem Sinne hat Russland sich weit von den westlichen Modellen entfernt.“ (275)
Natalie Wohlleben, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.622.22.222.25 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Kai Ehlers: 25 Jahre Perestroika. Gespräche mit Boris Kagarlitzki. Hamburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38504-25-jahre-perestroika-gespraeche-mit-boris-kagarlitzki_46151, veröffentlicht am 11.06.2015. Buch-Nr.: 46151 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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