Portal für Politikwissenschaft

Der Verlust politischer Gleichheit

Armin Schäfer

Der Verlust politischer Gleichheit. Warum die sinkende Wahlbeteiligung der Demokratie schadet

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2015 (Schriften aus dem Max-Planck Institut für Gesellschaftsforschung 81); 332 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-50198-7
Habilitationsschrift Heidelberg; Begutachtung: M. Schmidt, R. Zohlnhöfer. – Im Zentrum der (überarbeiteten) Habilitationsschrift steht die Auseinandersetzung mit dem Problem, dass in etlichen modernen Demokratien politische Ungleichheit trotz rechtlich formaler Gleichheit offensichtlich zunimmt. Konkreter gefasst handelt es sich um Phänomene sozial ungleicher politischer Partizipation, die aus Sicht eines neorepublikanischen Demokratieverständnisses – das Armin Schäfer als normativen Rahmen seinen Analysen voranstellt – dann inakzeptabel sind, wenn die Nichtbeteiligung Ergebnis sozialer Exklusion und demotivierender Strukturen ist. Die Arbeit besticht in erster Linie durch die breite empirische Basis, auf der Tendenzen und Ursachen ungleicher politischer Wahlbeteiligung untersucht werden. Die empirisch gestützte Argumentation – teils als Querschnitts‑, teils als Längsschnittanalyse – ist überzeugend strukturiert; die herangezogenen Aggregat‑ beziehungsweise Umfragedatensätze sind im Anhang ausführlich dokumentiert. Schäfer untersucht zunächst international vergleichend Zusammenhänge von Liberalisierung und sozialer Ungleichheit in 23 entwickelten OECD‑Staaten seit den 1970er‑ beziehungsweise 1980er‑Jahren – hier weisen Länder mit ungleicher Einkommensverteilung niedrigere und zugleich stratifizierte Wahlbeteiligungen auf. Die folgenden vier Kapitel befassen sich mit der Entwicklung in Deutschland; als Analysegesichtspunkte dienen der Rückgang der Wahlbeteiligung und soziale Profile der Nichtwähler, Zusammenhänge von Klassenlagen und Wahlverhalten sowie Effekte sozialräumlicher Segregation und unterschiedlicher Bildungsniveaus auf die Wahlbeteiligung. Die letzten beiden Kapitel nehmen einen Perspektivenwechsel vor und diskutieren institutionelle Ansätze zur Verbesserung politischer Beteiligung. Während Schäfer Wahlrechtsreformen und direktdemokratische Verfahren eher skeptisch beurteilt – nämlich dann, wenn die Konfliktlinien schichtabhängig verlaufen –, sieht er in der Einführung einer Wahlpflicht Chancen, dass die Stimmen sonst Inaktiver im politischen Prozess gehört werden.
Thomas Mirbach, Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3322.3312.3252.325.41 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Armin Schäfer: Der Verlust politischer Gleichheit. Frankfurt a. M./New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38842-der-verlust-politischer-gleichheit_46820, veröffentlicht am 10.09.2015. Buch-Nr.: 46820 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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