Portal für Politikwissenschaft

Kollaboration

Mark Terkessidis

Kollaboration

Berlin: Suhrkamp 2015 (edition suhrkamp 2686); 332 S.; 18,- €; ISBN 978-3-518-12686-8
Nicht nur angesichts steigender Flüchtlingszahlen wird die von Mark Terkessidis beschriebene Pluralität der Stadt Wirklichkeit. Die sich ausdifferenzierenden religiösen, kulturellen und politischen Positionen sowie die zunehmende Mobilität verhindern eine klar benennbare individuelle oder kollektive Identität gleichermaßen. Terkessidis fragt, wie diese neue Form menschlichen Zusammenlebens strukturiert werden kann. Seine Antwort lautet: mittels Kollaboration. Während er unter Verweis auf Michel Foucault die Moderne als durch das Leitprinzip der Disziplin strukturiert sieht, muss für ihn diese Parapolis ein neues ethisches und handlungsorientiertes Leitbild entwickeln. Es handelt sich entgegen der üblichen Verwendung des Begriffs Kollaboration im deutschen Sprachgebrauch um eine positive Form der andauernden Zusammenarbeit von Individuen, die von der Kooperation zu unterscheiden ist, weil „die Akteure einsehen, dass sie selbst im Prozess verändert werden, und diesen Wandel sogar begrüßen“ (14). Terkessidis hält keineswegs ein simples Plädoyer für die direkte Demokratie, sondern ihm geht es um die Einbeziehung derer, die von politischen Entscheidungen betroffen sind – in den Entscheidungsprozess selbst. Erfrischend ist die Kritik an der ewigen Litanei derjenigen, die alle Formen von Mitbestimmung oder Selbstverwaltung sogleich als Angriff auf die parlamentarische Demokratie (miss‑)verstehen (vgl. etwa Buch‑Nr. 43641). Um die seit über einem Jahrzehnt anhaltende Verschmelzung von Souveränität und Exekutive aufzubrechen, will Terkessidis „den Raum zwischen dem Gesetzgeber und der Bevölkerung […] füllen“ (54). An Beispielen aus den Bereichen Schule und Bildung sowie Kunst und Kultur exemplifiziert er, wie Menschen kollaborativ tätig sind respektive tätig werden können. Leider übersieht er einen Bereich gesellschaftlichen Lebens: die Wirtschaft. Dabei haben sich vor allem in wissensbasierten Unternehmen neue Formen von Selbstverwaltung bzw. ‑organisation und demokratische Teilhabe entwickelt. Kollaboration endet, so müsste man Terkessidis ergänzen, nicht am Werkstor.
Patrick Stellbrink, M. A., Politikwissenschaftler, Promovend an der TU Chemnitz.
Rubrizierung: 5.422.3312.35 Empfohlene Zitierweise: Patrick Stellbrink, Rezension zu: Mark Terkessidis: Kollaboration Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38884-kollaboration_47437, veröffentlicht am 17.09.2015. Buch-Nr.: 47437 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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