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Challenging Khmer Citizenship: Minorities, the State, and the International Community in Cambodia

Stefan Ehrentraut

Challenging Khmer Citizenship: Minorities, the State, and the International Community in Cambodia

Online-Publikation 2013 (publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/files/6788/ehrentraut_diss.pdf);
VI, 248 S.
Diss. Potsdam; Begutachtung: H. Kleger. – Stefan Ehrentraut versucht am Beispiel der südostasiatischen konstitutionellen Monarchie Kambodscha die Frage zu klären, auf welche Art und Weise die Förderung eines distinkt liberalen Multikulturalismus durch die internationale Gemeinschaft in nichtwestlichen Staaten mit der Einführung von Minderheitenrechten und freiheitlichen Grundrechten einhergehen kann. Zurückgreifen kann der Autor dabei auf eine von Will Kymlicka begründete Theorie des liberalen Multikulturalismus, die sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass sie Multikulturalismus nicht über kulturelle Zugehörigkeit, sondern als Teil von Staaten‑ beziehungsweise Nationenbildungsprozessen begreift und somit im Sinne einer Dialektik zwischen Staatenbildungsprozessen und Minderheitenrechten auch für nichtwestliche Gesellschaften denkbar wird. Ehrentraut stützt seine Analyse auf eine Feldforschung, die auf 250 von ihm und seinem Team durchgeführten Interviews und Focus‑group‑Befragungen mit Angehörigen von 15 Ethnien des Landes basiert. Trotz illiberalen Regierungssystems sprechen Ehrentraut auf den ersten Blick zufolge zahlreiche Gründe dafür, dass Kambodscha im Vergleich zu anderen nichtwestlichen Staaten durchaus besondere Voraussetzung für die Einführung von Minderheitenrechte auf Grundlage eines liberalen Multikulturalismus bietet. Nicht nur verfüge es ungeachtet seiner Staatsform über eine dezidiert liberale Verfassung und liberale Werte würden einen bedeutenden Bestandteil des politischen Diskurses des Landes ausmachen; auch die internationale Gemeinschaft – die 80 Prozent des Entwicklungsbudgets des Landes stelle – sei stark in der Förderung liberaler Wertvorstellungen engagiert. Auch die relative Homogenität der kambodschanischen Gesellschaft scheine in diesem Zusammenhang förderlich. Warum sich das Land nach zwanzigjähriger Förderung liberal‑multikultureller Minderheitenrechte dennoch nicht in Richtung internationaler Normen bewegt hat, versucht Ehrentraut zu klären, indem er zunächst Kambodschas kulturelle Diversität skizziert und kategorisiert sowie anschließend die relevanten rechtlichen wie politischen Grundlagen des Nationenbildungsprojekts analysiert. Die Gründe erweisen sich als komplex und können hier nicht in Gänze wiedergegeben werden. Klar wird jedoch, dass eine bewusste Ausgrenzung bei dem gleichzeitigen Versuch der Wahrung der eigenen Identität insbesondere der Hochlandbevölkerung hier eine Rolle spielt. Ehrentraut empfiehlt auch angesichts des Widerstands der Eliten des Landes gegen Initiativen der internationalen Gemeinschaft ein abgestimmtes, jedoch weniger ambitioniertes Vorgehen, das auch auf die lokale Ebene abzielen sollte.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.684.422.212.263 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Stefan Ehrentraut: Challenging Khmer Citizenship: Minorities, the State, and the International Community in Cambodia 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38897-challenging-khmer-citizenship-minorities-the-state-and-the-international-community-in-cambodia_46990, veröffentlicht am 24.09.2015. Buch-Nr.: 46990 Rezension drucken

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