Portal für Politikwissenschaft

Global Player EU?

Karin Bischof

Global Player EU? Eine ideologiekritische Metaphernanalyse

Bielefeld: transcript Verlag 47610 (Edition Politik 24); 239 S.; 34,99 €; ISBN 978-3-8376-3115-9
Diss. Wien; Begutachtung: E. Kreisky, K. Liebhart. – In der (vor allem deutschsprachigen) Politikwissenschaft hat die Analyse von Metaphern bislang eine vergleichsweise geringe Rolle gespielt. Demgegenüber argumentiert Karin Bischof, Metaphern seien „nicht bloß Beispiele gelungener Rhetorik, sie verweisen auch auf Substrukturen deutungsdominanter Vorstellungen von politischen Konstellationen“ (7) und ließen sich somit als „produktiver [...] Ausgangspunkt für theoriegeleitete Analysen“ (201) fruchtbar machen. Unter Rückgriff auf politik‑ und literaturwissenschaftliche, philosophische und linguistische Zugänge arbeitet die Autorin zunächst drei grundlegende analytische Dimensionen beziehungsweise Funktionen von Metaphern heraus (legitimatorisch, erkenntnistheoretisch und evokativ). Anschließend geht sie empirisch am Beispiel des österreichischen Printmedien‑Diskurses über den EU‑Beitritt der Türkei der Frage nach, wie ein dominantes (Selbst‑)Verständnis der Europäischen Union metaphorisch konstruiert wird und wie sich diese Diskurse von Metaphern über Staat und Nation abgrenzen. In einer produktiven Kombination von Metaphernanalyse und Ideologiekritik zeigt Bischof, dass sich insbesondere die Metapher des Global Player als konstitutiv für das Selbstverständnis der EU erwiesen hat. Dabei greift sie zur Erläuterung die (nationalstaatliche) Vorstellung von Geschlossenheit, Hierarchie und Stärke auf, versieht diese aber mit einer deutlichen ökonomischen und konkurrenzbezogenen Schlagseite: Ursprünglich vor allem für multinationale Konzerne verwendet, wird die Figur des Global Player seit der Jahrtausendwende zunehmend eingesetzt, um vermeintliche ökonomische Sachzwänge zu konstruieren und deren Bewältigung an die Institution der Europäischen Union zu binden. Die Autorin füllt mit ihrer Untersuchung nicht nur eine theoretische Lücke in der EU‑Forschung, sondern liefert zugleich Anknüpfungspunkte für ein weitergehendes Verständnis der jüngsten EU‑Krisenbewältigung. So knüpfe etwa „die Metaphorik des ‚Sixpack‘ [für sechs europäische Gesetzgebungsmaßnahmen], die auf einen extrem trainierten und fitten männlichen Körper verweist, [...] nahtlos an die Metapher des global player an“ (199).
Björn Wagner, Dipl.-Politologe, Dresden.
Rubrizierung: 3.45.42 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Karin Bischof: Global Player EU? Bielefeld: 47610, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39109-global-player-eu_47610, veröffentlicht am 19.11.2015. Buch-Nr.: 47610 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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