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Parlamentarische Mitgliederfluktuation auf subnationaler Ebene in der Schweiz

Antoinette Feh Widmer

Parlamentarische Mitgliederfluktuation auf subnationaler Ebene in der Schweiz

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (Politik und Demokratie in den kleineren Ländern Europas 13); 326 S.; 64,- €; ISBN 978-3-8487-2165-8
Politikwiss. Diss. Bern; Begutachtung: A. Vatter, A. Ladner. – Nach Wahlen wechseln oft die Regierenden, aber auch Parlamentarier_innen werden dabei regelmäßig ausgetauscht. Hätte das Wahlvolk nicht die Möglichkeit zur Abwahl, bestünde die „Gefahr der Tyrannei“ (15). Fluktuation im Parlament sei deshalb Kernbestandteil von Demokratien, schreibt Antoinette Feh Widmer. Sie untersucht, wie parlamentarische Mitgliederfluktuation auf subnationaler Ebene in der Schweiz einzuschätzen ist. Die Autorin fragt unter anderem auf den Zeitraum 1960 bis 2012 bezogen, ob dieser Austausch überhaupt existierte, welches Ausmaß er hatte, welche persönlichen Faktoren ihn bedingten und welche hintergründigen Strukturen in diesem Kontext eine Rolle spielten. Dabei vergleicht sie das Phänomen zwischen den einzelnen Kantonen. Die Studie ist Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Schweizerischen Nationalfonds geförderten internationalen Forschungsprojekts, in dem es um die Mitgliederfluktuation in den Länder‑ und Kantonsparlamenten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ging. Die Konzeptualisierung und Messung der Fluktuation sei im Rahmen des Projekts erfolgt, so die Autorin. Sie verweist weiterhin auf die Schwierigkeit, die Daten empirisch zu erfassen. Da die Fluktuation bisher nicht ausreichend dokumentiert oder untersucht worden sei, seien aufwendige Recherchearbeiten in Archiven inklusive der Auswertung von Wahldaten, Protokollen und Rücktrittsschreiben notwendig geworden. Das Ausscheiden aus dem Parlament unterscheidet Feh Widmer nach Beweggrund und Zeitpunkt. Dadurch ergeben sich unter anderem Kategorien wie Freiwilligkeit (etwa der Verzicht auf erneute Kandidatur, der Rücktritt) und Unfreiwilligkeit (etwa die Abwahl oder der Tod). Als ein zentrales Ergebnis ihrer deskriptiven Analyse hebt die Autorin die überraschend „stark schwankenden Fluktuationsraten von einer Wahl zur nächsten“ (103) hervor. Ebenso sei eine unerwartet große interkantonale Varianz festzustellen. Eine Befragung aktueller und ehemaliger Parlamentarier_innen ergibt, so das Fazit Feh Widmers, „dass sozioökonomische und soziodemographische Determinanten auf der Individualebene […] für den Entscheid des Ausscheidens […] ausschlaggebend sind“ (298). Offenbar bedingt durch einen Fehler in der Produktion stimmen die Angaben der Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis nicht mit denen im Buch überein.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 2.52.21 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Antoinette Feh Widmer: Parlamentarische Mitgliederfluktuation auf subnationaler Ebene in der Schweiz Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39111-parlamentarische-mitgliederfluktuation-auf-subnationaler-ebene-in-der-schweiz_47641, veröffentlicht am 19.11.2015. Buch-Nr.: 47641 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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