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A Morbid Democracy: Old and New Populisms

Monica Simeoni

A Morbid Democracy: Old and New Populisms

Brüssel u. a.: Peter Lang 2014 (Human Right Studies 3); 151 S.; pb., 40,70 €; ISBN 978-3-0352-6505-7
Alter und neuer Populismus als zu einfache Antwort auf politische Probleme: Monica Simeoni sieht Europa als demokratische Idee genauso in der Krise wie die durch die Globalisierung infrage gestellte Selbstgewissheit der Mittelschichtangehörigen. Auch die Kultur und die Gegenwart an sich seien krisenhaft geprägt. Sie verweist darauf, dass die gegenwärtigen politischen Eliten diesen Herausforderungen oft wenig zu entgegnen wissen und deshalb der Versuchung des Populismus nachgeben. Sie setzten auf Europaskepsis und Xenophobie, auf Volksmassen statt Bürger_innen. Das Phänomen einer postideologischen Zuschauerdemokratie, in der charismatische Führer_innen mit Demagogie und völkischen Egoismen argumentieren, ist der Autorin zufolge in der Vergangenheit tief verwurzelt. Der Populismus erlebe gerade in ihrem Heimatland Italien, aber auch im übrigen Europa eine Wiedergeburt. Sie bezieht sich mit dieser Analyse auf das Werk des spanischen Soziologen und Philosophen José Ortega y Gasset, insbesondere auf „Morbid democracy“ (15) von 1917 und „The Revolt of the Masses“ (15) von 1929. In diesen Schriften habe der Autor schon früh davor gewarnt, dass die damals erstarkende europäische Mittelschicht sich in einer Art ‚Herdentrieb‘ dem linken oder rechten Totalitarismus zuwenden könnte. Ortega y Gasset habe damals als eine Ursache den moralischen Verfall der Eliten reflektiert, die er nicht zuletzt in ihrer gröber und vulgärer werdenden Sprache erkannt haben will. Die Autorin sieht auch hier Parallelen zur Gegenwart, in der Politiker_innen bewusst eine stärker durch einen Dialekt gefärbte Sprache einsetzen und mit öffentlichen Geldern finanzierte geschmacklose Partys veranstalten. Große Verantwortung sieht Simeoni bei den politischen Parteien, die aber nicht fähig seien, sich zu reformieren, und nur aufgrund großen Drucks zivilgesellschaftlicher Bewegungen zu Veränderungen bereit seien. Für Europa fordert die Autorin mehr Basisdemokratie und ein erneuertes Sozialsystem. Die Bürger_innen und nicht die Volksmassen sollten in Europa wieder stärker an Gewicht gewinnen. Ortega y Gasset selbst sei überzeugter Europäer gewesen, da er davon ausgegangen sei, dass Dikator_innen am besten durch einen geeinten Staatenbund zu verhindern seien.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 2.222.22.232.612.622.642.653.1 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Monica Simeoni: A Morbid Democracy: Old and New Populisms Brüssel u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39257-a-morbid-democracy-old-and-new-populisms_47662, veröffentlicht am 14.01.2016. Buch-Nr.: 47662 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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