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Wählermobilisierungsstrategien von Hispanics in den US-Präsidentschaftswahlkämpfen der Jahre 2000-2008

Simone Pott

Wählermobilisierungsstrategien von Hispanics in den US-Präsidentschaftswahlkämpfen der Jahre 2000-2008

Online-Publikation 2014 (http://kups.ub.uni-koeln.de/5450/1/Diss_Abgabe2013_publi.pdf); 174 S.
Diss. Köln; Begutachtung: T. Jäger, W. Leidhold. – Die Demografie in den USA befindet sich in einem massiven Umbruch, der sich auch auf die Machtarithmetik auswirkt. Die weiter anwachsende Community der Hispanics beziehungsweise Latinos stellt derzeit knapp unter zwanzig Prozent der Bevölkerung: „‚Hispanic oder Latino’“, so zitiert Simone Pott die einschlägige Definition des US‑Zensus, „bezieht sich auf eine Person mit kubanischer, mexikanischer, puerto‑ricanischer, süd‑ oder mittelamerikanischer Kultur oder Herkunft, unabhängig von der Rasse“ (7). Für diese – politisch einflussreiche, weil potenziell entscheidende – Personengruppe, die in 2012 maßgeblich zur Wiederwahl Barack Obamas beigetragen hat, untersucht die Autorin, wie sie von der etablierten Politik im Rahmen von Kampagnen zur Präsidentschaftswahl adressiert wird: „Gab es in den einzelnen Kampagnen der Präsidentschaftswahlkämpfe der Jahre 2000, 2004 und 2008 Strategien zur Mobilisierung hispanischer Wähler und wenn ja, wie wurden diese über das Fernsehen umgesetzt?“ (15) Die fallstudienartigen Analysen politischen Marketings beziehen ihr empirisches Material aus einschlägigen Fernsehspots unterschiedlicher Kandidatinnen und Kandidaten, die vom Online‑Archiv des Political Communications Laboratory der Stanford University bereitgestellt werden. Deren Auswertung führt Pott unter anderem zu dem Ergebnis, dass die parteipolitisch zumeist nicht eindeutig festgelegten Hispanics wegen des Mehrheitswahlsystems gerade in den „battleground states“ (161) einen im Vorhinein kaum berechenbaren, jedoch wahlentscheidenden Ausschlag geben können. Dementsprechend hat seit dem Jahr 2000 eine Professionalisierung der Strategien zur gezielten Ansprache dieser Personengruppe – vornehmlich im Medium Fernsehen, das Pott als zentrales Leitmedium der US‑Wahlkämpfe charakterisiert – eingesetzt. Im Zentrum des politischen Marketings steht dabei der Kandidat beziehungsweise die Kandidatin. So war in den Kampagnen von George W. Bush versucht worden, unter dem Schlagwort „Nos conocemos – wir kennen uns“ (163) eine persönliche Brücke insbesondere zu den sozial‑konservativ orientierten Hispanics aufzubauen. Bei Al Gore und John Kerry habe eine solche spezifische Ansprache gefehlt, so die Autorin, da man aufseiten der Demokratischen Partei die Hispanics ohnedies zur Stammwählerschaft gezählt habe. Im Wahlkampf 2008 zwischen Obama und McCain wurden von beiden Lagern die Hispanics gleichermaßen angesprochen – allerdings nur in den Swingstates New Mexico, Colorado, Florida und Nevada und ohne besondere Emotionalisierung. „Eine explizite Ansprache der Hispanics außerhalb dieser Staaten konnte nicht nachgewiesen werden.“ (164)
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.642.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Simone Pott: Wählermobilisierungsstrategien von Hispanics in den US-Präsidentschaftswahlkämpfen der Jahre 2000-2008 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39400-waehlermobilisierungsstrategien-von-hispanics-in-den-us-praesidentschaftswahlkaempfen-der-jahre-2000-2008_47486, veröffentlicht am 18.02.2016. Buch-Nr.: 47486 Rezension drucken

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