Portal für Politikwissenschaft

Die Klimawende

Tim Flannery

Die Klimawende. Wie wir mit neuen Technologien unsere Atmosphäre retten. Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer

Frankfurt a. M.: Fischer 2015; 233 S.; 16,99 €; ISBN 978-3-596-03378-2
Nach „Wir Wettermacher“ (siehe Buch‑Nr. 29951) legt Tim Flannery nun zur Rettung des Weltklimas ein leidenschaftliches Plädoyer für einen neuen Umgang mit den bereits entstandenen Kohlendioxidemissionen vor. Um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Existenz unserer Zivilisation zu sichern sei es unerlässlich, neben der Reduzierung von Kohlendioxidemissionen der Atmosphäre zusätzlich das Treibhausgas zu entziehen. Der Autor beschreibt diesen Ansatz als „dritten Weg“ zwischen Anpassung und Geoengineering: „Dieser dritte Weg ist ein neuer Ansatz und basiert auf Modellen und Experimenten, die zeigen, wie der natürliche Kohlendioxidkreislauf der Erde dazu gebracht werden kann, den Kohlenstoff schneller aus der Luft und dem Meer zu ziehen, und wie sich dieser deponieren lässt“ (16). Flannery schließt sich der Meinung an, dass Geoengineering im globalen Maßstab (zum Beispiel Ozeandüngung und Ausbringen von Schwefel in der Atmosphäre) nicht nur enorm risikoreich und kostspielig, sondern möglicherweise auch wirkungslos ist. Dadurch gelingt es ihm, seinen favorisierten Ansatz positiv abzugrenzen. Es werden unter anderem Maßnahmen wie Aufforstung, biologische Kohlendioxidabscheidung, Herstellung und Düngung mit Pflanzenkohle sowie industrieller Anbau von Seetang vorgestellt. Auch die Speicherung des Treibhausgases in geologischen Lagerstätten (CCS beziehungsweise Bio‑CCS) wird diskutiert. Zwar beschreibt der Autor die technischen Möglichkeiten dieser Ideen und ihre potenzielle Leistung für den globalen Kohlendioxidhaushalt, bleibt aber eine fundierte und quantifizierte Diskussion ihrer tatsächlichen Leistung und Machbarkeit schuldig. Auch wird der Tatsache, dass eine Anwendung des „dritten Weges“ im globalen Maßstab ähnlich folgenreich und umstritten sein kann wie der von ihm zuvor kritisierte Einsatz von Geoengineering, kein Platz eingeräumt. Weiterhin kommt die eigentliche Darstellung des „dritten Weges“ in Anbetracht der sehr umfangreichen Zusammenfassung der – inzwischen hinlänglich bekannten – Entstehung und Herausforderung durch den Klimawandel zu kurz. Das Buch ist ein leidenschaftlicher Beitrag zur Diskussion über die technische Bewältigung des Klimawandels, der jedoch argumentativ zu wenig fundiert ist.
Martin Repohl, M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.2614.45 Empfohlene Zitierweise: Martin Repohl, Rezension zu: Tim Flannery: Die Klimawende. Frankfurt a. M.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39426-die-klimawende_48037, veröffentlicht am 18.02.2016. Buch-Nr.: 48037 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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