Portal für Politikwissenschaft

Transparente Zivilgesellschaft?

Rupert Graf Strachwitz

Transparente Zivilgesellschaft? Accountability und Compliance in Non-profit-Organisationen

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2015 (Engagement und Partizipation in Theorie und Praxis); 174 S.; 14,80 €; ISBN 978-3-7344-0150-3
In der öffentlichen Debatte hat die Forderung nach Transparenz einen hohen Stellenwert, der nicht nur auf einzelne medienwirksame Skandale in Politik und Wirtschaft zurückzuführen ist, sondern auf ein allgemein schwindendes Vertrauen der Bevölkerung in große Organisationen. Dies gilt auch für das breite Spektrum von zivilgesellschaftlichen Akteuren. Hier werden „neben ethischen Grundsätzen einer guten Zivilgesellschaft“ (16) auch demokratietheoretische Gründe, etwa Informationspflicht als Ausgleich für fehlende Repräsentativität, angeführt. Insofern mag es verwundern, schreibt Rupert Graf Strachwitz, dass sich einerseits die Anforderungen an Zivilgesellschaftliche Organisationen (ZGO) hinsichtlich der Berichterstattung an staatliche Stellen ausweiten, es andererseits bislang in Deutschland „keine bindende Norm für Transparenz“ (16) von ZGOs gegenüber der Öffentlichkeit gibt. Doch was genau ist Transparenz, was soll sie leisten, wo liegen ihre Grenzen? Diesen Fragen widmet sich der Autor aus sozialwissenschaftlicher Perspektive und betrachtet in dieser Studie, die ursprünglich als Gutachten verfasst wurde, wichtige zentrale Problemfelder, die sich im Kontext von Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft und Transparenz ergeben. Ein „fundamentales Dilemma“ (21) sieht Strachwitz darin, dass mit dem demokratietheoretischen Transparenzgebot verschiedene kaum in Einklang zu bringende Maßstäbe verbunden sind. So stehe etwa das Auskunftsbedürfnis der Öffentlichkeit der Vertraulichkeit interner Prozesse oder dem Schutz der Privatsphäre Einzelner gegenüber. Von dieser Feststellung ausgehend bestimmt er zunächst die Zielgruppen von Transparenz, eine heterogene Gruppe von Stakeholdern (Gesellschafter, Mitarbeiter, interne Organe, Sponsoren, beratende Gremien, Projektpartner, private Wirtschaft, öffentliche Verwaltung usw.) wie sie für ZGOs charakteristisch ist. Anschließend werden konkrete Aspekte wie die Herkunft und die Verwendung der Mittel, Fragen der Governance und der Zielerreichung als wichtige Gegenstände, auf die sich der Ruf nach Transparenz bezieht, dargelegt und schließlich im breiteren Zusammenhang von Publizität, Regelhaftigkeit, Rechenschaftslegung und Verantwortlichkeit betrachtet. Der Autor spricht sich für gesetzliche Verpflichtungen aus und hält darüber hinaus Maßnahmen für die Entwicklung einer Transparenzkultur für notwendig.
Anke Rösener, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22.222.232.331 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Rupert Graf Strachwitz: Transparente Zivilgesellschaft? Schwalbach/Ts.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39557-transparente-zivilgesellschaft_47628, veröffentlicht am 24.03.2016. Buch-Nr.: 47628 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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