Portal für Politikwissenschaft

Das Ende des Imperiums

Thomas Kunze / Thomas Vogel

Das Ende des Imperiums. Was aus den Staaten der Sowjetunion wurde

Berlin: Ch. Links Verlag 2015; 325 S.; 2., aktual. Aufl.; brosch., 20,- €; ISBN 978-3-86153-894-3
Vor 25 Jahren zerfiel die Sowjetunion nach fast 70‑jähriger Existenz, aus den Unionsrepubliken entstanden fünfzehn unabhängige Staaten. So unterschiedlich diese heute auch sind, haben sie doch eine verbindende Vergangenheit: Es ist die sowjetische Kultur des 20. Jahrhunderts. Deshalb werden diese Staaten oft als postsowjetischer Raum bezeichnet. Der Historiker Thomas Kunze und der Journalist Thomas Vogel waren in den vergangenen Jahren viel in diesen Ländern unterwegs und möchten helfen, den postsowjetischen Raum mit seinen Gemeinsamkeiten und Unterschieden besser zu verstehen. Sie verbinden in ihrem Sachbuch, das erstmals 2011 erschienen ist und nun in einer Neuauflage vorliegt, nüchterne Fakten mit lebendigen Familiengeschichten. So entsteht ein guter Eindruck vom Lebensgefühl der Menschen: Da ist zum Beispiel das Rentnerpaar Kazys und Vanda Stanevicius in Litauen, die in tiefer Armut leben, aber stolz auf die Unabhängigkeit ihres Landes sind. Oder Jugendliche in Aserbaidschan, Tadschikistan und Usbekistan, die kein Russisch mehr können und damit seit Jahrzehnten die erste Generation stellen, die nicht mehr zweisprachig aufwächst und dadurch eine ganz neue nationale wie persönliche Identität herausbildet. Ein weiteres Bindeglied der fünfzehn früheren Sowjetrepubliken ist, „dass sie seit 1991 eine turbulente Geschichte hinter sich haben“ (9). Sie befinden sich im geopolitischen Spannungsfeld zwischen Russland, dem Westen und islamischen Staaten wie Iran, Afghanistan und der Türkei. Die Konflikte in der Ukraine oder Berg‑Karabach zeigen deutlich, so die Autoren, dass sich die Beziehungen der Europäischen Union zum postsowjetischen Raum „an einem Scheideweg“ (304) befinden. Deshalb formulieren sie die Vision eines gemeinsamen Europäischen Hauses vom Atlantik bis Wladiwostok, wie sie einst schon Michail Gorbatschow und Helmut Kohl teilten. „Zu dieser Vision sehen auch wir keine vernünftige Alternative. Um sie zu verwirklichen, sollten der Westen und Russland zusammen den Mut und die Kraft finden, neue Wege zu gehen.“ (10)
Wilhelm Johann Siemers, Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de.
Rubrizierung: 2.22.612.622.632.68 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Thomas Kunze / Thomas Vogel: Das Ende des Imperiums. Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39716-das-ende-des-imperiums_48292, veröffentlicht am 26.05.2016. Buch-Nr.: 48292 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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