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Das internationale diplomatische Protokoll im Vergleich zum Protokoll in Unternehmen

Olaf Jelinski

Das internationale diplomatische Protokoll im Vergleich zum Protokoll in Unternehmen. Eine Analyse des Protokolls als politische Institution

Greifswald: Universitätsbibliothek Greifswald 2015 (http://ub-ed.ub.uni-greifswald.de/opus/volltexte/2015/2334/pdf/Dissertation_Jelinski_Olaf.pdf); 242 S.
Diss. phil. Greifswald; Begutachtung: H. Buchstein, D. Jörke. – Zu welchem Anlass finden militärische Ehren der Bundeswehr statt? Wann werden Behörden zu einer Beflaggung veranlasst und wie wird das Besuchsprogramm eines ausländischen Gastes gestaltet? Das Staatsprotokoll beantwortet diese und ähnliche Fragen und kann als „die Gesamtheit der international als verbindlich anerkannten Formen und Regeln im diplomatischen Verkehr bzw. im offiziellen Umgang von Staaten miteinander sowie im offiziellen Bereich innerhalb eines Staates“ (26) verstanden werden. In seiner Dissertation fragt Olaf Jelinski, inwieweit das Protokoll Charakteristika einer politischen Institution aufweist und ob sich Elemente protokollarischer Tätigkeit auch in Unternehmen wiederfinden lassen, die mit staatlichen Akteuren zu tun haben. Nach einer geschichtlichen Herleitung entwickelt der Autor aus der Institutionentheorie Leitfragen, die als Bedingung einer politischen Institution aufgefasst werden, so etwa, ob das Protokoll „auf Dauer angelegt ist und so stabil, dass es politischem und sozialem Wandel standhält“ (213) oder „über Einzelsituationen und den Wechsel von Beteiligten hinaus Anwendung findet“ (214) und so Verhaltenssicherheit gewährleistet. Der folgende empirische Teil bildet das Kernstück der Arbeit. Hier werden die entwickelten Kriterien im ersten Analyseschritt anhand der Organisationsstruktur zentraler staatlicher Organe seit dem Deutschen Kaiserreich überprüft, um zu zeigen, dass das Protokoll „ein integraler Bestandteil der Staatsorganisation über einen langen Zeitraum hinweg“ (57) und somit „eindeutig als politische Institution klassifizierbar [ist]“ (215). Anhand von 72 Interviews mit Experten aus dem öffentlichen und privaten Sektor wird im zweiten Schritt nach den konkreten Inhalten und Anwendungsbereichen protokollarischer Tätigkeit gefragt. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass unternehmerisches und staatliches Protokoll trotz unterschiedlicher Zielgruppen und Ausrichtungen „in den grundlegenden Punkten Übereinstimmungen zeigen“ (226) und „in der übergeordneten instrumentellen und symbolischen Anwendung […] die gleichen Ausprägungen auf[weisen]“ (57).
Sven-Jacob Sieg, M. A., Sozialwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.41 | 2.31 | 2.32 | 2.322 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Sven-Jacob Sieg, Rezension zu: Olaf Jelinski: Das internationale diplomatische Protokoll im Vergleich zum Protokoll in Unternehmen. Greifswald: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39717-das-internationale-diplomatische-protokoll-im-vergleich-zum-protokoll-in-unternehmen_48311, veröffentlicht am 26.05.2016. Buch-Nr.: 48311 Rezension drucken

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