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Deutungsmuster des Populismus

Armin Zaak

Deutungsmuster des Populismus. Eine vergleichende Analyse des Framings populistischer Parteien in der Regierungsverantwortung in Deutschland, Österreich und der Schweiz 1985-2013

Hagen: Fernuniversität Hagen 2015 (http://deposit.fernuni-hagen.de/3009/1/Diss_Zaak.pdf); 589 S.
Diss. Hagen; Begutachtung: S. Bröchler. – In Europa haben populistische Parteien des rechten wie des linken Spektrums in den vergangenen Jahren große Erfolge erzielt und sich auch an einigen Regierungen beteiligt. Doch wie wird diese Entwicklung von Journalisten und Politikwissenschaftlern gedeutet? Unterscheidet sich ihre Deutung von der Selbstdeutung der populistischen Politiker? Diesen und weiteren Fragen geht Armin Zaak nach. Dazu hat er zahlreiche Interviews mit Journalisten, Politikwissenschaftlern und Politikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geführt. Die deutschen Befragten wurden in Bezug auf die LINKE, die von 2002 bis 2011 im Berliner Senat vertreten war, interviewt, die Österreicher und Schweizer in Bezug auf die FPÖ beziehungsweise die SVP – zwei Parteien, die auf nationaler Ebene an der Regierung beteiligt waren. Gefragt wurde auch nach der jeweiligen Deutung vor und während der Regierungsbeteiligung der Parteien. Zaak kann somit länderspezifische Unterschiede sowie solche mit Blick auf die Selbst‑ und Fremdframes feststellen: „Die Mehrzahl der Politologen und Journalisten sieht den neuen Populismus kritisch und betrachtet ihn als mögliche Bedrohung der Demokratie und der demokratischen politischen Kultur“ (348), während die österreichischen und Schweizer Abgeordneten den eigenen Populismus für konstruktiv halten und ihn als Ausdruck wachsender Bürgernähe und als Chance werten, die politikverdrossenen Bürger wieder stärker in das politische System einzubinden. Die Politiker der LINKEN in Berlin dagegen verstehen sich nach Zaak selbst nicht als populistisch und verbinden mit dem Begriff, ähnlich wie die deutschen Politologen und Journalisten, ein negatives Bild. Auch vor und während ihrer Regierungsbeteiligung wurde die LINKE von allen befragten Personengruppen als nicht oder kaum populistisch betrachtet, wobei die Politologen Frank Decker und Florian Hartleb hier eine Ausnahme bilden. Bei den befragten Personen in Österreich überwiegt nach Zaak die Ansicht, dass das populistische Handeln der FPÖ zwar vor der Regierungsbeteiligung vorhanden war, sich aber während dieser abgeschwächte. In der Schweiz geben die befragten Personen überwiegend an, dass die Partei während der Regierungsbeteiligung noch populistischer agierte als zuvor. Da sich insgesamt kein einheitliches Verständnis von Populismus gezeigt habe, so Zaak, sei der Schluss zu ziehen, dass dieser Begriff nicht als wissenschaftliche Kategorie geeignet sei. Der Autor schlägt stattdessen vor: „Ein möglicher Weg zu einer differenzierteren Sicht des Populismusbegriffs wäre der Versuch, positive und negative Aspekte des Populismus gegenüberzustellen und näher zu untersuchen.“ (361)
Jessica Burmester, M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.222.3312.42.5 Empfohlene Zitierweise: Jessica Burmester, Rezension zu: Armin Zaak: Deutungsmuster des Populismus. Hagen: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39783-deutungsmuster-des-populismus_48396, veröffentlicht am 23.06.2016. Buch-Nr.: 48396 Rezension drucken

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