Portal für Politikwissenschaft

Was noch zu tun ist

Anne-Marie Slaughter

Was noch zu tun ist. Damit Frauen und Männer gleichberechtigt leben, arbeiten und Kinder erziehen können. Aus dem amerikanischen Englisch von Elsbeth Ranke und Violeta Topalova

Köln: Kiepenheuer & Witsch 2016; 352 S.; 19,99 €; ISBN 978-3-462-04893-3
Mit ihrem Beitrag „Why Women Still Can’t Have It All“ in der Zeitschrift The Atlantic erzeugte die Politikwissenschaftlerin Anne‑Marie Slaughter 2012 ein starkes öffentliches Echo. Sie hatte erklärt, dass sie ihre Position als Leiterin des Planungsstabs im US‑Außenministerium unter Hillary Clinton aufgibt, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. An diese Erklärung, in der unumwunden die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von beruflicher Karriere und der Sorge für die Familie benannt wurde, schloss sich eine Diskussion an, in der einiges durcheinandergeworfen und Slaughter sogar eine Flucht aus dem Berufsleben unterstellt wurde – was keineswegs der Fall war, sie ist wieder (Vollzeit‑)Professorin in Princeton und steht dem Thinktank New America vor, verfügt damit allerdings anders als in Washington über einige Freiheiten bei ihrer Zeitplanung. Ihr Buch, im Original mit dem Titel „Unfinished Business“, ist sowohl eine Klarstellung als auch eine weiterführende Erörterung der Problematik. Die Leser_innen profitieren davon, dass Slaughter das gesamte Thema mit zahlreichen Fakten und Einzelbeispielen gut lesbar aufbereitet. Durch die Verknüpfung mit der eigenen Biografie wird zudem deutlich, dass die Problematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur sozial schwächer gestellte Frauen betrifft, sondern sogar diejenigen, die eine Kinderbetreuung bezahlen können. Die erste zentrale Feststellung dürfte für alle, die selbst Kinder haben, ein Allgemeinplatz sein: Nur höchstens einer der beiden Partner kann unbehelligt Karriere machen, mindestens ein Partner muss flexibel genug sein, um auch ungeplant für die Kinder da sein zu können. Die Frau also, die Kinder hat und Karriere machen will, braucht einen Partner, der beruflich zurücksteckt – was immer noch die Ausnahme ist. Wichtig ist dann der Hinweis, dass immer weniger Frauen an sich generell benachteiligt sind, sondern vor allem die Mütter. Slaughter dreht dann für ihre weitere Argumentation die Perspektive von der Erwerbs‑ auf die Betreuungsarbeit um – es kann (nicht nur) ihrer Ansicht nach keinen Zweifel daran bestehen, dass eine Gesellschaft, die eine Zukunft haben will, sich um die Kinder kümmern muss. Dieser Themenkomplex schließt auch die im Vergleich schlechte Bezahlung von in der Pflege und Betreuung Tätigen sowie – mit Blick auf die USA – der Lehrer_innen ein. Herauszulesen ist dabei insgesamt, dass die Rechte der Arbeitnehmer_innen und die Arbeitsbedingungen in den USA aus europäischer Sicht eher frühkapitalistisch anmuten, so gibt es nicht einmal einen gesetzlich festgelegten Mutterschutz. Aber trotz seines Schwerpunktes auf die Zustände in den USA ist das Buch insgesamt ein wichtiger Beitrag zur Debatte über die Gleichstellung von Mann und Frau, verbunden mit einer Reflexion darüber, was im Leben wichtig ist.
Natalie Wohlleben, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.642.272.2622.1 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Anne-Marie Slaughter: Was noch zu tun ist. Köln: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39802-was-noch-zu-tun-ist_48356, veröffentlicht am 30.06.2016. Buch-Nr.: 48356 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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