Portal für Politikwissenschaft

"Ich habe nichts gegen Ausländer, aber ..."

Britta Marschke / Heinz Ulrich Brinkmann (Hrsg.)

"Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …" Alltagsrassismus in Deutschland

Berlin: Lit 2015 (Studien zu Migration und Minderheiten 27); 440 S.; 44,90 €; ISBN 978-3-643-12087-8
„Menschen, die anders aussehen, nicht vertraut erscheinen oder von denen man erwartet, dass sie fremd sind, teilen größtenteils eine Erfahrung: Sie werden ‚anders‘ behandelt“ (381), schreibt die Herausgeberin Britta Marschke. Dabei spiele es oft keine Rolle, ob damit eine positivere oder eine negativere Behandlung verbunden sei. Häufig sei diese andere Behandlung nicht messbar, aber durchaus fühlbar für die betroffenen Personen. Diese alltäglichen Diskriminierungen und Benachteiligungen von Menschen, diesen Alltagsrassismus bewusst zu machen, ist ein Ziel der Autor_innen des Sammelbandes. Sie beschreiben Alltagsrassismus als eine subtile Form und eine Wurzel von Rassismus. Vom Alltagsrassismus betroffene Gruppen seien keineswegs statisch oder konstant, derzeit seien überwiegend Muslim_innen, aber auch Sinti und Roma, Menschen mit dunklerer Hautfarbe sowie Flüchtlinge tangiert. Im ersten Teil des Bandes werden sowohl wissenschaftliche Grundlagen zum Alltagsrassismus erläutert als auch Diskriminierungsbereiche, etwa in der Bildung, Ausbildung, bei der Arbeit, in den Medien oder im Bereich des Wohnens, dargestellt. So zeigen Christine Barwick und TaIja Blockland, dass Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ein Prozess ist, der „systematisch ethnische Minderheitsgruppen benachteiligt“ (230), was sie anhand einer Studie von Wohnungsbaugesellschaften in Berlin verdeutlichen. Migrantische Prominente berichten im zweiten Teil des Buches über persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung und bieten einen Einblick in das Ausmaß und die Auswirkungen von Alltagsrassismus, wie etwa der Fußballspieler Gerald Asamoah. Um diesem zu begegnen, wird zunächst die Sensibilisierung der Diskriminierenden, die Informationsvermittlung im Sinne einer Aufklärung empfohlen und appelliert, interkulturelle Bildung in allen Bereichen zu implementieren. Dabei sollte Sensibilisierung bei der Sprache beginnen. Als Beispiele werden das Lob für fehlerfreies Sprechen oder die akzentfreie Aussprache der deutschen Sprache angeführt, was auf Menschen, die seit Langem in Deutschland leben oder sogar hier geboren sind, ausgrenzend wirken könne. Nach der Sensibilisierung gelte es, auch das Handeln der Mehrheitsgesellschaft anzupassen. Der erste Schritt sei die Verbesserung der interkulturellen Kommunikation, die beispielsweise durch Partnerschaften organisiert werden könnte, der zweite die Herstellung von Chancengleichheit. Die gesellschaftlichen Strukturen ließen sich durch „eine am Bevölkerungsanteil angelehnte proportionale Teilhabe“ (387) von innen verändern, etwa mithilfe einer Quote für Migrant_innen. Ein drittes Steuerungselement gegen Alltagsrassismus sei das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das jedoch bei potenziell Betroffenen wenig bekannt sei. Daher sollte eine verstärkte Aufklärungs‑ und Informationskampagne initiiert werden, so Marschke abschließend.
Sabine Steppat, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Britta Marschke / Heinz Ulrich Brinkmann (Hrsg.): "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …" Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39979-ich-habe-nichts-gegen-auslaender-aber-_44873, veröffentlicht am 04.08.2016. Buch-Nr.: 44873 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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