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Die Wahrheit über Griechenland, die Eurokrise und die Zukunft Europas

Giorgos Chondros

Die Wahrheit über Griechenland, die Eurokrise und die Zukunft Europas. Der Propagandakrieg gegen Syriza. Übersetzt von Céline Melanie Spieker

Frankfurt a. M.: Westend Verlag 2015; 236 S.; 16,99 €; ISBN 978-3-86489-115-1
Giorgos Chondros – er zählt nicht nur zu den Gründern von Syriza, sondern gehört auch dem Zentralkomitee der Partei an – sieht die Ursachen für die problematische Situation in Griechenland weniger in innergriechischen Prozessen begründet. Vielmehr handele es sich um „eine Systemkrise“ (19), die mit dem Kapitalismus verknüpft sei. Außerdem weise die Konstruktion der Eurozone gravierende Fehler auf, den der Autor „in der organisierten Abhängigkeit der Länder von den Privatbanken und den Finanzmärkten in Phasen von Liquiditäts‑ und Bonitätskrisen“ (22) sieht. Es überrasche nicht, dass die Handlungsweise der Troika auf erhebliche Kritik stoße, die ihre „Zuständigkeiten“ (46) mit der Auflage von Kürzungsprogrammen und einer auf „innere Abwertung systematisch abzielenden Politik“ überschritten habe, „Armut und Verelendung großer Teile der Gesellschaft“ (70) seien die Folgen. Jugendliche und Frauen bildeten die größten Gruppen von Opfern, die etwa unter der dramatisch hohen Arbeitslosigkeit oder dem Zusammenbruch des öffentlichen Gesundheitssystems zu leiden hätten. Glücklicherweise habe die Gesellschaft die Situation in ihre eigenen Hände genommen und neue Formen der Selbstorganisation sowie Solidaritätsstrukturen entwickelt und das Netzwerk „Solidarität für Alle“ (91) gegründet. Dem Mythos der Rettung Griechenlands liege das Narrativ zugrunde, dass das griechische Volk allein für sein Elend verantwortlich sei. Tatsächlich profitierten die Banken (auch die griechischen) und die Ökonomien der Gläubigerländer, insbesondere die deutsche Rüstungsindustrie, von der Griechenland‑Krise. Kein anderer Mitgliedstaat der EU habe so viel durch sie verdient wie die Bundesrepublik – das „‚deutsche Europa‘“ (202) entwickele sich mit jedem Vertrag weiter, die „‚Germanisierung der EU‘“ (206) sei deutlich erkennbar. Um der griechischen Krise effektiv zu begegnen, sei es erforderlich, dass sich die Machtverhältnisse in der EU zugunsten der Kräfte verschieben, die die Austeritätspolitik bekämpfen. Daher schlägt der Autor ein gemeinsames gesamteuropäisches Handeln im Kampf gegen diese Politik vor. Nur so lasse sich „das Europa der sozialen Gerechtigkeit, der Solidarität, des ökologischen Gleichgewichts, der Rechte und der sozialen Sicherheit“ (210) erreichen. Derzeit sei ein solch alternatives Konzept nicht in Sicht, vielmehr habe sogar die Parteiführung von Syriza, im Dunstkreis von Alexis Tsipras, einen Rechtsruck vollzogen und praktiziere zudem einen autokratischen Führungsstil.
Sabine Steppat, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.223.5 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Giorgos Chondros: Die Wahrheit über Griechenland, die Eurokrise und die Zukunft Europas. Frankfurt a. M.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40055-die-wahrheit-ueber-griechenland-die-eurokrise-und-die-zukunft-europas_47816, veröffentlicht am 08.09.2016. Buch-Nr.: 47816 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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