Portal für Politikwissenschaft

Asymmetrische Kriege

Felix Wassermann

Asymmetrische Kriege. Eine politiktheoretische Untersuchung zur Kriegführung im 21. Jahrhundert

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2015; 357 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-593-50314-1
Diss. HU Berlin; Begutachtung: H. Münkler, C. Daase. – Das Phänomen Krieg ist Bestandteil der menschlichen Existenz. Daher wundert es nicht, dass immer wieder neu versucht wird, es zu analysieren, zu kategorisieren und zu verstehen. Seit der Antike wurden ganze Theoriegebäude errichtet, um den klassischen, den großen Krieg zu beschreiben. Doch dieser Krieg verändert sich, er passt sich wie ein Chamäleon den jeweiligen Konflikten an, erfindet sich immer wieder neu. Wenn es nach 1945 ein verbindendes Element gibt, so ist es die nun von Felix Wassermann in den Blick genommene Asymmetrie, die schon seit einigen Jahren in der akademischen Welt diskutiert wird. Vielleicht liegt es daran, dass sich diese Asymmetrie den etablierten Auffassungen von einem (völker‑)rechtskonformen (gerechten) Krieg entzieht? Wassermann geht von drei Vorüberlegungen aus: die sich aus der Anarchie der Staatenwelt ergebenden Spannungen, der Verlust der politischen Deutungshoheit seitens des Nationalstaates und die Verwundbarkeit klassischer Militärapparate durch die Flexibilisierung der Kriegsführung. Zur Untermauerung bedient er sich – unter Verweis auf große Meister wie André le Nôtre – interessanterweise der Metapher des Gartenbaus, eine eher selten angewandte und dennoch naheliegende Methode, bedenkt man etwa die enge Verbindung zum jeweiligen Zeitgeist und damit zur Staatskunst samt Kriegsführung. Der Autor bewegt sich zudem auf einem breiten theoretischen Unterbau, wenn er mal mit Jacob Burckhardt und mal mit Carl Schmitt über die Überlebensfähigkeit von Symmetrien in Politik und Krieg reflektiert. Dass es dabei auch um die Problematik der Begriffsbildung geht, ergibt sich aus den zahlreichen inhaltlichen Varianzen, die heute mit der Asymmetrie assoziiert werden, vom Guerilla‑Kampf bis zum Terrorismus reichen und damit ein eher zwiespältiges Bild der politischen wie militärischen Orientierungs‑ und Handlungsfähigkeiten der Akteure zeichnen. Die Analyse umfasst die Jahre 1974 bis 2015 und ist durchgehend ebenso originell wie aktuell gehalten. Sie will einer gewissen Systematisierung im Diskurs dienlich sein, was gelingt.
Martin Schwarz, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie (ISP) an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 4.414.1 Empfohlene Zitierweise: Martin Schwarz, Rezension zu: Felix Wassermann: Asymmetrische Kriege. Frankfurt a. M./New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40154-asymmetrische-kriege_47579, veröffentlicht am 10.11.2016. Buch-Nr.: 47579 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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