Portal für Politikwissenschaft

Philippe Pétain und Pierre Laval: das Bild zweier Kollaborateure im französischen Gedächtnis

Christiane Florin

Philippe Pétain und Pierre Laval: das Bild zweier Kollaborateure im französischen Gedächtnis. Ein Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung in Frankreich von 1945 bis 1995

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 325); 447 S.; brosch., 98,- DM; ISBN 3-631-31882-0
Diss. Bonn; Erstgutachter: H.-H. Knütter. - Anhand der öffentlichen Darstellungen des Staatschefs des "Etat Français" und seines Ministerpräsidenten in Zeitungen, Zeitschriften, Memoiren, Schulbüchern und Meinungsumfragen untersucht Florin die damit einhergehenden Kontroversen um das "harmlose" und das "böse" Vichy, die Vergangenheitsbewältigung Frankreichs. Sie geht davon aus, daß die beiden zentralen Personen inzwischen zur Abstraktion geworden sind, da die Auseinandersetzung mit ihnen im wesentlichen Probleme der Gegenwart aufzeigt. Sie leistet einen kultur-politischen Beitrag zu dieser andauernden Diskussion, indem sie sozusagen hinter die Bilder schaut. Welche Ideen und Wertvorstellungen bilden die Grundlage der Darstellungen? Wie haben sie sich verändert? Welche Einstellungen und Ideologien der Akteure in bezug auf den Staat, die Republik, die "Nationale Einheit" lassen sich umgekehrt aus den sich verändernden Darstellungen Pétains und Lavals ablesen? Florin macht deutlich, daß und inwiefern "die Auseinandersetzung um Vichy den Blick auf die französische Geschichte und vor allem auf die Rolle des Staates in dieser Geschichte vollkommen verändert" (400). Aus dem Inhalt: I. L'Histoire jugera: Die veröffentlichte Meinung hält Gericht: 1. Der Ausgangspunkt: Pétain und Laval vor der Haute Cour de justice; 2. Getrennte Wege: Pétain und Laval als Antipoden; 3. Die Wege kreuzen sich (1969-1974); 4. Gemeinsame Wege: Pétain und Laval als Komplizen des Verbrechens. II. Les Historiens on jugé: Das Urteil der Historiker: 1. Der allgemeine Rahmen: Vichy und seine Historiker; 2. Spezialliteratur zu Pétain; 3. Spezialliteratur zu Laval; 4. Nos enfants doivent enfin savoir: Pétain und Laval im Schulbuch. III. Zwischen "usage du passé" und Instrumentalisierung. Ausgewählte Beispiele: 1. Täter und Opfer: Pétain, Laval und die "mémoire juive"; 2. Stolz und Schande: Pétain, Laval und der "Front national"; 3. Pétain, Laval und die Bekämpfung des "Front National", Zwischenbilanz; 4. Folgenlose Skurrilität oder einflußreiche Denkzirkel? Pétain, Laval und ihre Tempelwächter. IV. Bilder und Zerrbilder: 1. Bildüberschneidungen; 2. Pétain-Bilder; 3. Laval-Bilder.
Claudia Schulz (CS)
M. A.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Claudia Schulz, Rezension zu: Christiane Florin: Philippe Pétain und Pierre Laval: das Bild zweier Kollaborateure im französischen Gedächtnis. Frankfurt a. M. u. a.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/4564-philippe-ptain-und-pierre-laval-das-bild-zweier-kollaborateure-im-franzoesischen-gedaechtnis_6410, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 6410 Rezension drucken

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