Miriam M. Müller

A Spectre is Haunting Arabia. How the Germans Brought Their Communism to Yemen

Bielefeld: transcript Verlag 2015 (Political Science 26); 440 S.; 39,99 €; ISBN 978-3-8376-3225-5
Politikwiss. Diss. FU Berlin und Victoria (Kanada); Begutachtung: K. Schroeder, O. Schmidtke, U. Puschner, P. Massing. – Miriam M. Müller befasst sich mit der Frage des Ideologietransfers am Beispiel des Exports sozialistischer Ideen durch die DDR in den südjemenitischen Staat. Ihrer These folgend sind es weniger die religiösen Gegensätze zwischen Nord‑ (schiitisch) und Südjemen (sunnitisch) als vielmehr die ideologisch unterschiedlichen Sozialisationen der Jemeniten, die die Grundlage für den aktuellen Konflikt im Land liefern. Bisher haben sich wenige Arbeiten mit der Außenpolitik der DDR befasst, die als Verlängerung der sowjetischen Außenpolitik verstanden wurde. Müllers Arbeit bestätigt, dass die Sicherung der eigenen Existenz, verbunden mit einer Imagekampagne für die Errungenschaften des Sozialismus, immer das Primat dieser Politik darstellte. Müller zeichnet mehrere Phasen der DDR‑Außenpolitik am jemenitischen Beispiel nach und kommt zu dem Schluss, dass diese im Laufe der Zeit mehr und mehr inhaltlichen Gestaltungsspielraum gegen Moskau verteidigen konnte. Ziel war dabei immer, die Eigenstaatlichkeit der DDR international darzustellen und zu verteidigen, um nicht als bloße Marionette der Sowjetunion zu gelten. Nebenbei galt es, den eigenen Devisenerwerb sicherzustellen. Drei Kernstrategien kennzeichneten die DDR‑Außenpolitik: die sozialistische Orientierung, ein Low‑profile‑Ansatz und das Modell des „honest broker“. Das Engagement im Südjemen war, Müller zufolge, aufgrund der Rahmenbedingungen beinahe ideal für ein ostdeutsches außenpolitisches Engagement im Kontext des Kalten Krieges. Im Zuge dieses Engagements wurde der Jemen zum wichtigsten Partnerland der DDR außerhalb des Ostblocks und Aden das einzige Beispiel für eine eigenständige DDR‑Außenpolitik. Hätte die DDR weiter existiert und eine eigenständige Außenpolitik entwickeln können, hätte der Jemen gute Chancen gehabt, als Modelltypus einer solchen Politik dienen zu können. Die Arbeit schließt eine wichtige Lücke in der Forschung zur DDR‑Geschichte. Der heutige Konflikt im Jemen lässt sich jedoch auch mit dieser These nicht – genauso wenig wie durch den Verweis auf die Religion – monokausal erklären.
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Rubrizierung: 2.3144.222.63 Empfohlene Zitierweise: Michael Rohschürmann, Rezension zu: Miriam M. Müller: A Spectre is Haunting Arabia. Bielefeld: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39544-a-spectre-is-haunting-arabia_48048, veröffentlicht am 17.03.2016. Buch-Nr.: 48048 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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