Andreas Schild

Abschied von der Solidarität? Zum Wandel der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit

Zürich: Neue Zürcher Zeitung 2015; 376 S.; brosch., 38,- €; ISBN 978-3-03810-038-6
Vierzig Jahre lang war Andreas Schild im Ausland für Hilfsorganisationen wie das Internationale Rote Kreuz oder die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig. Seine Arbeit, die ihn etwa nach Bangladesch, Nordkorea und Afghanistan führte, reflektiert er in seinem Buch mit dem Ziel, die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit zu analysieren. Er betont einleitend den subjektiven Charakter seiner Darstellung, die nicht wissenschaftlich, aber doch repräsentativ sein soll. Die Globalisierung habe dazu geführt, dass „internationale Zusammenarbeit […] in mancher Beziehung zur Weltinnenpolitik“ (13) geworden sei, da sie nicht mehr nur den Alltag der Bürger der armen, sondern auch der reichen Länder deutlich präge. Anfang des 21. Jahrhunderts war Schild für die eidgenössische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Nordkorea, um dort die Nothilfe in Aufbauarbeit zu überführen und das Problem des Nahrungsmitteldefizits grundlegend anzugehen. Das Arbeiten in dieser Diktatur habe sich trotz aller Bedenken als spannender Einsatz herausgestellt, der sich „persönlich und beruflich gelohnt“ (113) habe. Er sei den Einheimischen mit Empathie begegnet, ohne negative Aspekte des Regimes zu ignorieren. Es sei verständlich, dass die Menschen zwar für politische Änderungen einträten, aber nicht in Form eines durch den Westen aufoktroyierten Wandels. Er habe „gewisse Sympathie für die Hartnäckigkeit, mit der das Regime seine Ziele gegen alle Widerstände verfolgte“. Auch wenn er die rücksichtslose Härte des Systems ablehne, dürften Kritiker, die „das unmenschliche […] Nordkorea mit seiner großen Anzahl Gefangenen kritisierten“ (114), nicht gleichzeitig ignorieren, dass die USA als Demokratie im Verhältnis mehr Menschen einsperre. Sein Mandat sei letztlich gescheitert, schreibt Schild, auch weil ein erfolgreicher Übergang zur langfristigen Entwicklungszusammenarbeit politisch für den Westen nicht opportun gewesen sei. Für Nordkorea seien die kurzfristigen, bedingungslosen Hilfslieferungen ebenfalls vorteilhafter gewesen. Aus vielen seiner detailliert beschriebenen Beispiele zieht Schild das Resümee, dass die internationale Zusammenarbeit, ihre politische Rolle und praktische Ausrichtung ein Thema aller Bürger und nicht nur der Experten sein müsse. Sie müsse in der direktdemokratischen Zivilgesellschaft der Schweiz stärker verankert werden.
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Rubrizierung: 2.5 | 4.22 | 4.44 | 2.68 | 2.67 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Andreas Schild: Abschied von der Solidarität? Zürich: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38824-abschied-von-der-solidaritaet_47274, veröffentlicht am 03.09.2015. Buch-Nr.: 47274 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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