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Richard Münch

Akademischer Kapitalismus. Über die politische Ökonomie der Hochschulreform (edition suhrkamp)

Berlin: Suhrkamp 2011; 458 S.; 18,- €; ISBN 978-3-518-12633-2
Als profunder Kritiker deutscher Hochschulreformen hat sich Richard Münch bereits hervorgetan. Mit seinem neuesten Buch bündelt und ergänzt er nun eine Reihe von Aufsätzen, die er in der jüngeren Vergangenheit zu diesem Thema abgefasst hat. Sein Anspruch ist es, „eine theoriegeleitete Beschreibung aktueller Trends im Wandel der Universitäten“ (32) vorzulegen. Normativ lässt er sich dabei vom Humboldt’schen Ideal leiten. Dieses habe durch die Massenuniversitäten mit ihren schlechten Betreuungsschlüsseln jedoch längst seine Prägekraft verloren und eine zunehmende Trennung von Forschung und Lehre sei konstitutiv für das Hochschulwesen geworden. Die Reformansätze der vergangenen Jahre, die eng mit betriebswirtschaftlichen Steuerungslogiken verbunden waren, verstärkten die negativen Effekte. Die implizite Ausrichtung an den USA basiere dabei auf einem Zerrbild der dortigen Wissenschaftslandschaft und übersehe einige größenbedingte Effekte (großer integrierter Zeitschriftenmarkt, hohe Personenzahl in Forschung und Lehre). Bei dem Versuch, mit den amerikanischen Hochschulen zu wetteifern, zwänge sich das deutsche Hochschulwesen in Steuerungsmechanismen hinein, die der Wissensproduktion zuwiderliefen. So ließen sich komplexe Tätigkeiten in Forschung und Lehre „grundsätzlich nicht in Kennzahlen fassen“ (102). Wenn sich die Wissenschaft dem unterordne, verliere die Forschung ihr notwendiges Maß an Kreativität. Wissenschaft werde im Zuge dessen darauf konditioniert, sich lediglich konform zu den Steuerungsindikatoren zu verhalten und nicht neues Wissen zu erschließen. Der Autor setzt dem New Public Management einen Abbau entstandener Hierarchien entgegen, fordert wissenschaftliche Mitarbeiter durch Juniorprofessuren mit sogenanntem Tenure-Track zu ersetzen und die außeruniversitäre Forschung in die Hochschulen einzugliedern. Münchs Buch ist wie in den beiden Vorgängerwerke „Die akademische Elite“ und „Globale Eliten, lokale Autoritäten“ (siehe Buch-Nr. 35811) eine vorwiegend theoriegeleitete und mit einiger Empirie unterlegte, gut lesbare Streitschrift gegen die Implementierung von Managementmethoden im Hochschulwesen.
Stephan Klecha (SKL)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
Rubrizierung: 2.343 | 5.2 Empfohlene Zitierweise: Stephan Klecha, Rezension zu: Richard Münch: Akademischer Kapitalismus. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34203-akademischer-kapitalismus_41038, veröffentlicht am 25.08.2011. Buch-Nr.: 41038 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken