Marion Schnarrenberger

Alexis de Tocqueville und Karl Marx: Ideologie-Lieferanten im Kalten Krieg oder konkurrierende Analytiker des sozialen Wandels?

Online-Publikation 2007 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=985848367); 333 S.
Diss. Würzburg; Gutachter: P.-L. Weinacht; W. Lipp. – Die Autorin untersucht die bis 2000 erschienene Vergleichsliteratur zu Marx und de Tocqueville. Eine der Hypothesen lautet dabei, dass „Marx zwar als Ideologielieferant des Ostblocks im Kalten Krieg diente, dass es im Westen den Wissenschaftlern jedoch nicht gelang mit Alexis de Tocqueville ein Pendant zu diesem Denker zu schaffen“ (4) – wozu auch, möchte man fragen, aber nun gut. Die Autorin unterteilt den Untersuchungszeitraum in vier Phasen: Kalter Krieg und erste Annäherung (1945 bis 1969), Entspannung (1969 bis 1981), Konflikt (1981 bis 1989) und Wende (1989 bis 2000). Jeder Phase werden die in dieser Zeit erschienenen Arbeiten zugeordnet und gefragt, inwieweit diese durch „die geschichtlichen Ereignisse ihrer Zeit bedingt und in ihren Einschätzungen beeinflusst“ (4) waren. Nach der Beschreibung von Arbeiten so unterschiedlicher Autoren wie Immanuel Geiss, Kurt Georg Kiesinger und Alain Finkielkraut und einer eher oberflächlichen Einbettung in das Zeitgeschehen stellt Schnarrenberger fest, dass die Arbeiten der Theoretiker Marx und de Tocqueville „eine große Deutungsvielfalt“ (312) zulassen. Selbst die Tatsache, dass beide die Französische Revolution als Schlüsselereignis betrachtet hätten, lasse unterschiedliche Interpretationen zu. Wenn sie aber bereits von unterschiedlichen Ausgangspositionen ausgingen, so die Autorin, sei es für die Forscher schwierig, untereinander zu diskutieren. „Allein dieser Umstand dürfte bereits dazu beigetragen haben, dass eine breite wissenschaftliche Auseinandersetzung in der Tocqueville-Marx-Forschung niemals zustandekam“ (312). Die einzige Vergleichsebene, die eventuell ein Forschungsfeld eröffnen könnte, schreibt sie weiter, wäre eine Gegenüberstellung der methodischen Vorgehensweise der beiden Theoretiker. Die Studie endet mit der Wiederholung der Eingangsaussage, dass zwar Marx ein Ideologie-Lieferant für den Kalten Krieg gewesen sei, die Ideen von de Tocqueville aber keine gesellschaftliche Außenwirkung erzielten hätten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.46 | 5.33 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Marion Schnarrenberger: Alexis de Tocqueville und Karl Marx: Ideologie-Lieferanten im Kalten Krieg oder konkurrierende Analytiker des sozialen Wandels? 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28838-alexis-de-tocqueville-und-karl-marx-ideologie-lieferanten-im-kalten-krieg-oder-konkurrierende-analytiker-des-sozialen-wandels_34025, veröffentlicht am 26.03.2008. Buch-Nr.: 34025 Rezension drucken

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