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Danijel Paric

Anti-römischer Affekt. Carl Schmitts Interpretation der Erbsündenlehre und ihre wissenschaftsstrategische Funktion

Berlin: Lit 2012 (Politikwissenschaft 187); 105 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-11609-3
Die zentrale These des Autors lautet, dass „die Politische Theologie Carl Schmitts, sei es auch nur in Bezug auf die Erbsünden, als nichtkatholisch und damit als antirömisch zu apostrophieren“ (12) ist. Da Schmitt aber zumeist Katholizismus attestiert wird, fragt Danijel Paric, ob und wie sich dieser tatsächlich in seinen Werken niederschlägt. Dazu wird vor allem die Schrift „Der Begriff des Politischen“ untersucht. Hier wird „Carl Schmitts Politische Theologie als eine Lehre gedeutet […], die konkret theologische Lehren für die Legitimation der eigenen politischen Theorien benutzt“ (19). Im Folgenden wird nicht nur der Begriff der Politischen Theologie näher betrachtet, sondern eindrucksvoll am Feind‑ und Kriegsverständnis, im Hinblick auf die Unterscheidung innerer und äußerer Feinde sowie auf die christliche bellum iustum‑Lehre dargelegt, inwieweit sich Schmitt in seinen Positionen von einer klassischen katholischen Tradition entfernt hat. Im weiteren Verlauf stellt Paric anhand verschiedener Interpretationen der Erbsünde und deren Wirkung auf die Politik überzeugend dar, dass sich Schmitt weder den katholischen Kirchenvätern, noch den Reformatoren und schon gar nicht der nach dem Tridentinischen Konzil geltenden Lehrmeinung der katholischen Kirche im Hinblick auf die Erbsünde angeschlossen hat. Die Denker der Gegenrevolution lieferten Schmitt die größte Schnittmenge und damit die Grundlagen für seine Annahmen der bösartigen Menschennatur, dem der Politik zugrunde liegenden Freund‑Feind‑Schema sowie dem daraus notwendig resultierenden diktatorischen Staat. Im Anschluss stelle sich daher die Frage, gegen wen sich „die katholische Verschärfung als Teil der Politischen Theologie Carl Schmitts“ (83) richte. Für Paric nutzt Schmitt den verschärften Katholizismus allein als Argument gegen den Liberalismus und dessen „Staat und Religion zersetzendes System“ (86). Die nachvollziehbare Kritik des Autors, dass von Schmitt weder positive Aspekte der katholischen Lehre herangezogen werden, noch verantwortungsvoll mit den katholischen Dogmen umgegangen wird, stellt klar den anti‑römischen Affekt im Schmitt‘schen Werk heraus.
Timo Freudenberger (TF)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Timo Freudenberger, Rezension zu: Danijel Paric: Anti-römischer Affekt. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36784-anti-roemischer-affekt_44244, veröffentlicht am 27.02.2014. Buch-Nr.: 44244 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken